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🐗🥩Wildschweine radioaktiv belastet
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Radiocäsiumbelastung von Wildschweinfleisch

Auch bei Wild müssen wir in lektinfreier Ernährung aufpassen. Insbesondere die Ernährung von Wildschweinen ist kritisch zu betrachten.

Das Wildschwein ist ein Allesfresser. Es ernährt sich nicht ausschließlich im Wald. Ab dem Frühjahr ist es auch oft in der Feldmark unterwegs. Sie haben eine Vorliebe für Mais und futtern es, so sie da heran kommen. Erst ab dem Herbst, wenn die Felder abgeerntet wurden, ziehen sie sich in die Wälder zurück, wo sie sich von Tieren im Boden und Pilzen ernähren.

Short Video YouTube: Wildschweine in einem Maisfeld

KI

Warum ausgerechnet Wildschweine?

​Während die Radioaktivität in landwirtschaftlichen Produkten seit Jahrzehnten kaum noch eine Rolle spielt, bleibt sie im Waldboden in einem Kreislauf gebunden. ​Die Belastung bleibt bei Wildschweinen so hoch (der sogenannte "Wildschwein-Effekt–), weil sie im Boden nach Hirschtrüffeln wühlen. Diese Pilze speichern das radioaktive Cäsium besonders stark und befinden sich in Erdschichten, in denen das Cäsium-137 heute noch hochkonzentriert vorliegt. Das sogenannte "Wildschwein-Paradoxon" erklärt, warum die Werte bei Wildschweinen oft stabil bleiben oder sogar steigen:

  • Hirschtrüffel: Wildschweine fressen im leidenschaftlich gern Hirschtrüffel. Diese Pilzart wächst unterirdisch und speichert Cäsium besonders effizient.
  • Cäsium-Front: Das Cäsium wandert sehr langsam durch die Bodenschichten (ca. 1 mm pro Jahr). Das Cäsium aus Tschernobyl erreicht gerade erst die Schichten, in denen die Hirschtrüffel wachsen.
  • Zusätzliche Quelle: Neuere Studien zeigen, dass bei Wildschweinen in Bayern bis zu 68 % der Belastung gar nicht aus Tschernobyl stammen, sondern noch von den oberirdischen Atomwaffentests der 1950er und 60er Jahre.


In Europa sind Wildschweine vor allem in Regionen belastet, in denen 1986 nach der Katastrophe von Tschernobyl starker radioaktiver Niederschlag (Fallout) niederging. Da Cäsium-137 eine Halbwertszeit von etwa 30 Jahren hat, ist die Belastung in bestimmten Waldgebieten auch heute noch messbar.

Betroffene Regionen in Europa

​Besonders betroffen sind Gebiete, in denen es zum Zeitpunkt des Unfalls geregnet hat, was das Cäsium aus der Wolke in den Boden spülte:

  • Deutschland: Hauptsächlich der Bayerische Wald, Schwaben (Oberschwaben) sowie Teile des Alpenraums. Auch im Thüringer Wald und im Harz treten regional erhöhte Werte auf.
  • Österreich: Vor allem Gebiete in Oberösterreich, Kärnten und der Steiermark.
  • Osteuropa: Großflächige Gebiete in Belarus, der Ukraine und dem westlichen Russland (insbesondere rund um die Sperrzone von Tschernobyl).
  • Skandinavien: Teile von Mittelschweden und Norwegen, wo der Fallout 1986 ebenfalls sehr intensiv war.


In Deutschland sind insbesondere Regionen in Süddeutschland, vor allem in Bayern und Teilen von Baden-Württemberg, von einer erhöhten Cäsium-137-Belastung bei Wildschweinen betroffen. Dies ist eine Spätfolge des Reaktorunglücks von Tschernobyl im Jahr 1986.

​Da ich keine dynamischen Karten von Drittanbietern direkt einbetten kann, habe ich Ihnen die Standorte der zuständigen Behörden auf einer Karte markiert. Diese Behörden (insbesondere das Bundesamt für Strahlenschutz und das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit) stellen detaillierte Messdaten und offizielle Übersichtskarten bereit.

Belastete Regionen im Überblick:

  • Bayerischer Wald: Eine der am stärksten betroffenen Regionen aufgrund hoher Niederschläge während des Unfalls 1986.
  • Donaumoos: Südlich der Donau gelegene Gebiete.
  • Regionen südlich von München: Einschließlich Teilen des Alpenraums.
  • Oberschwaben (Baden-Württemberg): Ebenfalls punktuell erhöhte Werte.


Wo finden Sie die genauen Karten?

​Für eine detaillierte geografische Ansicht der Messwerte empfehle ich die offiziellen Ressourcen:

  1. Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): Auf der Website bfs.de finden Sie Berichte zur Radioaktivität in Lebensmitteln und Wild.
  2. Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL): Bietet spezifische Daten für bayerische Jagdreviergruppen unter lgl.bayern.de.
  3. Umweltportal Deutschland: Hier lassen sich oft interaktive Karten zu Umweltdaten abrufen.

Verzehrwarnung!

Verzehrwarnung: Für Wildfleisch gilt in der EU ein Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm. Fleisch, das diesen Wert überschreitet, darf nicht in den Handel gelangen. Jäger in belasteten Gebieten sind verpflichtet, erlegtes Schwarzwild auf Radiocäsium untersuchen zu lassen.


Grenzwerte und Sicherheit

​In der EU gilt ein Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm (Bq/kg) für den Verkauf von Wildfleisch.

  • In belasteten Gebieten wird jedes geschossene Wildschwein obligatorisch gemessen.
  • Fleisch, das über dem Grenzwert liegt, wird entsorgt und gelangt nicht in den Handel.
  • Spitzenwerte in Süddeutschland können vereinzelt immer noch über 10.000 Bq/kg liegen.


https://www.wald.sachsen.de/radiocaesiumbelastung-von-wildschweinfleisch-4538.html

Radiocäsiumbelastung von Wildschweinfleisch

Was ist Radiocäsium und woher kommt es?

Cäsium (Symbol: Cs) ist eines der 91 natürlich auf der Erde vorkommenden chemischen Elemente. Es ist ein seltenes Alkalimetall mit niedrigem Schmelz- (28,5 °C) und Siedepunkt (705 °C). Cäsium-137 (Isotopen-Schreibweise: 137Cs), auch als Radiocäsium bezeichnet, ist ein künstliches Radionuklid (Isotop), welches bei der Kernspaltung entsteht.

Das Radiocäsium, das derzeit noch in den Böden Sachsens nachweisbar ist, stammt zum größten Teil aus dem Reaktorunfall in Tschernobyl 1986. Durch den niedrigen Schmelz- und Siedepunkt des Cäsiums verflüchtigte sich dieses wegen der hohen Temperaturen bei der Reaktorexplosion und wurde durch den Aufwind in die höheren Luftschichten verfrachtet. Die dort herrschenden Winde transportierten das Radiocäsium und andere Spaltprodukte dann auch nach Sachsen. Als die radioaktive Wolke am 29./30. 1986 Sachsen erreichte, regnete es hier, was dazu beitrug, das Radiocäsium besonders an den Stellen auf dem Boden abzulagern, an denen der Niederschlag intensiv war.

Da Radiocäsium unter den freigesetzten Spaltprodukten mit rund 30 Jahren eine verhältnismäßig lange Halbwertszeit hat, ist es auch heute noch im Boden vorhanden. Andere radioaktive Stoffe wurden beim Reaktorunfall in Tschernobyl in wesentlich geringerem Maße freigesetzt oder haben eine viel kürzere Halbwertszeit, so dass diese (heute) keine Rolle (mehr) spielen.

Warum können Wildschweine belastet sein, was ist mit Rot- und Rehwild?

Das 1986 nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl zunächst nur oberflächennah vorhandene Radiocäsium gelangte später in tiefere Bodenschichten und wurde vor allem auf Waldböden von Pflanzen und Pilzen aufgenommen. Da Pflanzen und Pilze den Wildtieren als Nahrung dienen, kann sich das Radiocäsium im Muskelfleisch und in den Organen des Wildes befinden. Allerdings wird das Radiocäsium auf Grund seiner durchschnittlichen biologischen Halbwertzeit von etwa 20 Tagen auf natürlichem Weg (Kot und Harn) auch wieder ausgeschieden (keine Akkumulation). Der Radiocäsiumgehalt im Wildfleisch nimmt deshalb mit zunehmendem Alter der Tiere auch nicht zu, sondern schwankt im Jahresverlauf in Abhängigkeit von der jeweils aufgenommenen Nahrung.

Die vergleichsweise erhöhte Radiocäsiumbelastung von Schwarzwild wird in der Fachliteratur vor allem auf die besondere Ernährungsweise dieser Wildart, unter anderem die Aufnahme von unterirdisch wachsenden Hirschtrüffeln, zurückgeführt. Fleisch von Wildschweinen kann durch das wechselnde Nahrungsangebot im Jahresverlauf zudem stark schwankende Belastungen mit Radiocäsium aufweisen. Daher werden sowohl regional als auch saisonal zwischen erlegten Stücken deutliche Unterschiede in der Belastung festgestellt.

Vorangegangene Messprogramme im Freistaat Sachsen führten zu der Feststellung, dass es aufgrund der Bodenbelastung in der Gebietskulisse des heutigen Pflichtuntersuchungsgebietes (siehe Abschnitt 6: »Für welche Gebiete besteht eine Untersuchungspflicht?") regelmäßig zu Überschreitungen der höchstzulässigen Radiocäsiumgehalte beim Schwarzwild kommt.

Bei Untersuchungen von Rot- und Rehwild wurden demgegenüber keine Höchstwertüberschreitungen festgestellt. Ursächlich hierfür sind vor allem die anderen Ernährungsgewohnheiten dieser Wildarten.

Wer misst die Belastung?

Für die Überwachung der Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen ist grundsätzlich die Staatliche Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft (BfUL) zuständig. Bei dieser handelt es sich um eine dem Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft nachgeordnete Einrichtung. Rechtliche Grundlagen ihrer Tätigkeit sind insbesondere das »Gesetz zum vorsorgenden Schutz der Bevölkerung gegen Strahlenbelastung« (Strahlenschutzvorsorgegesetz – StrVG) und das »Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch« (Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch – LFGB).

Zur Durchführung dieser Gesetze werden zahlreiche Proben, insbesondere aus dem Lebensmittelbereich, entnommen und u. a. auf ihre Radioaktivität untersucht. Das sind in Sachsen pro Jahr ca. 300 Proben, u. a. Fleisch, Gemüse, Obst, Getreide, Milch. Die Konzentration von Radiocäsium in den Hauptnahrungsmitteln ist gering und deutlich niedriger als 10 Becquerel pro Kilogramm (Bq/kg). In Brotgetreide ist Radiocäsium im Allgemeinen nicht mehr nachweisbar (kleiner als 0,2 Bq/kg), weil es in den Tonmineralien der Ackerböden gebunden wird und infolgedessen nicht in die Pflanzen gelangt.

Wie die Lebensmittel werden auch die Futtermittel regelmäßig überwacht. Die jährlich untersuchte Probenzahl beträgt ca. 60. Die Ergebnisse geben im Allgemeinen keinen Anlass zur Sorge.

Weitere Informationen sowie die Berichte zur Umweltradioaktivität sind über den folgenden verfügbar.

Umweltradioaktivität, Strahlenschutzvorsorge


Wie ist die Rechtslage?

Wenn Wildbret außerhalb des häuslichen Bereichs an Dritte abgeben oder verkauft wird, spricht man (juristisch) von »Inverkehrbringen«. Von der EU ist für die Verkehrsfähigkeit von Lebensmitteln ein Höchstwert für die Aktivitätskonzentration von 600 Bq/kg (hier: Becquerel Radiocäsium pro Kilogramm Wildfleisch) vorgegeben worden, der nicht überschritten werden darf. Obwohl dieser Höchstwert ursprünglich unter anderen Voraussetzungen aufgestellt wurde, wird er heute allgemein verwendet und auch zunehmend von Gerichten in entsprechenden Urteilsbegründungen herangezogen.

Nach Artikel 17 Absatz 1 der Verordnung (EG) 178/2002 tragen die Lebensmittelunternehmer dafür Sorge, dass Lebensmittel die Anforderungen des Lebensmittelrechtes erfüllen. Diese Sorgfaltspflicht würde verletzt, sofern Schwarzwild, welches

  1. in den nachfolgend aufgeführten Jagdgebieten (siehe Abschnitt 6: »Für welche Gebiete besteht eine Untersuchungspflicht?«) erlegt wurde und
  2. bei dem nicht durch eine vom Jagdausübungsberechtigten veranlasste Untersuchung der Nachweis der Einhaltung des zulässigen Höchstgehaltes für Radiocäsium erbracht wurde.

Ein Verstoß dagegen kann als Ordnungswidrigkeit oder Straftat geahndet werden. Wenn sich bei der Messung eine Überschreitung eine Aktivitätskonzentration von 600 Bq/kg herausstellt, besteht ein Inverkehrbringungsverbot. Das Wildbret ist kostenpflichtig zu entsorgen. Eine diesbezügliche Entschädigung kann beim Bundesverwaltungsamt beantragt werden (siehe Abschnitt 9: »Wie ist das Verfahren für eine Entschädigung für nicht freigegebenes Schwarzwild?«).

Wenn erlegtes Schwarzwild selbst verzehrt werden soll, so gilt dies nicht als Inverkehrbringen, d. h. selbst verbrauchtes Wildbret muss nicht (kann aber) auf die Einhaltung des Höchstwertes geprüft werden.

Wie ist mit nicht freigegebenem Schwarzwild umzugehen?

Sofern es durch den Jäger nicht selbst verbraucht wird (siehe Abschnitt 5: »Wie ist die Rechtslage?«), muss Wildbret, welches den höchstzulässigen Radiocäsiumgehalt überschreitet, kostenpflichtig entsorgt werden. Für die Entsorgung kontaminierter Tierkörper ist der Zweckverband für Tierkörperbeseitigung Sachsen zuständig. Die Entsorgung ist auf dem Antrag auf Entschädigung an das Bundesverwaltungsamt nachzuweisen.


Was sollte der Verbraucher wissen?

Grundsätzlich gilt: es gibt praktisch kein Lebensmittel, in dem nicht Spuren von Radioaktivität natürlichen Ursprungs zu finden sind. So ist beispielsweise das für den menschlichen Körper lebensnotwendige Kalium in vielen Nahrungsmitteln enthalten. Damit nimmt der Mensch mit der Nahrung auch eine radioaktive Unterart des Kaliums, nämlich das Kalium-40 (40K) auf. Beinahe 10 Prozent der durchschnittlichen jährlichen Strahlendosis eines Bundesbürgers aus natürlichen Quellen resultieren aus dem körpereigenen Kalium-40.

Von der Europäischen Union (EU) ist im Hinblick auf die radioaktive Belastung von Lebensmitteln ein Höchstwert von 600 Becquerel Radiocäsium pro Kilogramm (Bq/kg) vorgegeben, der nicht überschritten werden darf. Dieser Grenzwert gilt für den grenzüberschreitenden Handel. Er wird in Deutschland aber auch allgemein angewendet.

Fleisch von Nutztieren enthält typischerweise deutlich weniger als 10 Bq/kg Radiocäsium und ca. 100 Bq/kg Kalium-40. Die Wirkung der Radioaktivität einer radioaktiven Unterart (Nuklid) eines bestimmten chemischen Elements (z. B. Kalium-40, Radiocäsium) auf den menschlichen Körper, "Dosis" genannt (ausgedrückt in der Einheit Sievert), lässt sich mit Hilfe des für dieses Nuklid charakteristischen Dosiskonversionsfaktors ermitteln. Für Radiocäsium hat dieser Dosiskonversionsfaktor bei erwachsenen Menschen über die Nahrungsaufnahme einen Wert von 1,3 x 10-8 Sievert pro Becquerel (Sv/Bq).

Der denkbare Verzehr von 1 Kilogramm Wildschweinfleisch mit einer Belastung von 600 Bq/kg Radiocäsium hat bei einem Erwachsenen demnach eine Dosis von ca. 0,0078 Millisievert (mSv) zur Folge (Dosis = Dosiskonversionsfaktor x Aktivitätskonzentration x Nahrungsmittelgewicht). Dieser Wert entspricht etwa 0,37 Prozent der Dosis aus natürlicher Radioaktivität, die durchschnittlich pro Person und Jahr aufgenommen wird (2,1 mSv). Anders ausgedrückt: erst bei einem Verzehr von etwa 269 Kilogramm Wildschweinfleisch pro Jahr, welches mit einem Höchstwert von 600 Bq/kg Radiocäsium belastet ist, wird eine Dosis erreicht, die der durchschnittlichen jährlichen Radioaktivitätsdosis pro Person aus natürlichen Quellen entspricht.




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