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Das fehlende Kapitel
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Ich bin gerade dabei, die zweite Auflage des Buchs für 2024 zu schreiben.

Dabei ist mir Ihr Feedback wichtig: Welche Themen kommen im Buch bislang zu kurz? Was fehlt?

Bislang sind folgende zusätzliche Inhalte geschrieben:

  • Senolytika und Geroprotektiva
  • Warum ich mein bestes Versuchskaninchen bin
  • Mein Einsatz von Everolimus
  • Wie Langlebigkeit nicht geht
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"Wie Langlebigkeit nicht geht"

Hier darf ich eines der neuen Kapitel mit Ihnen teilen, weil es direkt mir gestellte Fragen beantwortet.


Zur ersten Auflage dieses Buchs erhielt ich ein Feedback, in dem in Leser mir folgendes schrieb:


Ich wünsche mir weiterführende Informationen zur richtigen Ernährung:

Welche Lebensmittel komplett weglassen? Bspw. generell lektinhaltige Lebensmittel?

Kohlenhydratreduziertes Essen um Insulinspiegel nicht zu stark ansteigen zu lassen?! Lebensmittel wie Nudeln/Reis essen? Wenn nicht, durch was substituieren? 

Vollkornprodukte ja oder nein?

Müsli zum Frühstück?

Intermittierendes Fasten 16:8 dauerhaft eine gute Idee?


Hier wird nach der ernährungsmedizinischen Taktik gefragt. Diese Fragestellung höre ich häufig, und sie ist nicht die richtige Strategie, wenn Sie 100 Jahre alt werden wollen.


Die menschlichen Gene sind viel zu unterschiedlich, als dass man eine genaue Empfehlung abgeben könnte, die für alle Menschen gilt. Dazu kommt, dass sich durch Methylierung und Demethylierung die Aktivität unserer Gene ändert. Diesen Vorgang bezeichnet man als Epigenetik. Wir können also zu verschiedenen Stadien unseres Lebens eine andere Genaktivität haben, sodass eine Taktik, die vor 10 Jahren noch ideal funktioniert hat, heute die falsche sein kann. Um es noch komplizierter zu machen: Durch eine Ernährungsumstellung kann man seine Epigenetik direkt ändern.


Das führt dazu, dass man die Taktiken in der Ernährung immer wieder überprüfen und ggf. anpassen muss. Die Strategie hingegen bleibt gleich.


Oft werden diese Worte im Alltag vermengt, doch ihr Unterschied ist bedeutsam. Das wird etwa im militärischen Kontext sichtbar: Strategische Atomwaffen, die ganze Städte auslöschen können, sind zur Abschreckung gedacht und dafür, nie zum Einsatz zu kommen. Sie sind zentrales Teil der Abschreckungsstrategie. Dem gegenüber stehen taktische Atomwaffen. Wäre der kalte Krieg ein heißer Krieg geworden, und Panzerdivisionen des Warschauer Pakts in die Bundesrepublik vorgedrungen, wäre die Menge der in Westdeutschland vorhandenen Panzer nicht ausreichend gewesen, um sich effektiv zu wehren. Hier hätte die NATO kleine, sogenannte taktische Atomwaffen eingesetzt, die einen Wirkkreis von einigen hundert Metern gehabt hätten, um "lediglich" ein einziges Panzerbataillone zu zerstören. Man hoffte, dass solche "begrenzten" Atomschläge das Schicksal einzelner unterlegener Frontabschnitte zu wenden, und hoffte, dass gleichzeitig die Angst vor dem Einsatz "strategischer" Nuklearwaffen einen weitreichenden Atomkrieg verhindert hätte (man wollte durch die taktischen Atomwaffen die Sowjets so lange aufhalten, bis man durch ein REFORGER-Manneuver amerikanische Soldaten nach Europa geholt hätte, um ein Kräftegleichgewicht herzustellen, und dann wollte die NATO den 3. Weltkrieg konventionell gewinnen). Im Gegenzug wäre es Strategie des Warschauer Pakts gewesen, durch die zahlenmäßig überlegenen Panzertruppen so schnell am Rhein zu stehen, dass die Amerikaner noch nicht eingetroffen wären, und Deutschland überrollte worden wäre. Die "taktischen" Raketentruppen der DDR hätten durch "taktische" Atomwaffeneinsätze den Panzern den Weg "gebahnt") – die strategischen Nuklearwaffen mit vollständiger Zerstörung der Städte wären den sowjetischen Kriegsplänen nach aber nicht zum Einsatz gekommen. Nachdem man heute beide Pläne kennt, wäre ein Einsatz der "strategischen" Atomwaffen und ein 3. Weltkrieg wahrscheinlich gewesen, der unsere heutiges Leben nicht existiert hätte, von möglicher Langlebigkeit ganz zu schwiegen.


Glücklicherweise kam diese Strategie nie zum Einsatz, aber anhand des krassen Beispiels wird der Unterschied am besten deutlich (wobei eine persönliche Langlebigkeitstrategie auch Taktiken beinhalten sollte, die im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung zum Einsatz kommen – sprich eine funktionierende Flucht mit einem sinnvollen Fluchtziel, aber auch Schutz vor Fallout, wenn auf dem Fluchtweg oder überraschend damit zu rechnen ist)


Lassen Sie uns zu den einfacheren Dingen des Lebens zurückkehren:


Die Langlebigkeits-Strategie bezieht sich auf langfristige, umfassende Pläne, die entwickelt werden, um das Ziel von Langlebigkeit zu erreichen. Sie legt den Gesamtansatz fest und berücksichtigt dabei die Ressourcen, die Umgebung und die langfristige Vision. In der langlebigkeitsmedizinischen Praxis bedeutet dies, eine langfristige Patientenbetreuungsstrategie zu entwickeln, die verschiedene Aspekte der Gesundheit und Prävention umfasst. Diese muss individuell sein, und das ist, was in meinem Langlebigkeitsprogramm geschieht.


Taktik hingegen bezieht sich auf kurzfristige Handlungen oder Maßnahmen, die unmittelbar umsetzbar sind und dazu dienen, die strategischen Ziele zu erreichen. Im langlebigkeitsmedizinischen Kontext sind dies konkrete Behandlungspläne, Ernährungsschemata oder Interventionen für einzelne Patienten sein, basierend auf den spezifischen Bedürfnissen und aktuellen Umständen. Diese Taktiken legen wir im den Quartalsterminen in unserer Praxis basierend auf aktuellen Laborergebnissen immer wieder neu fest.


Während sich die Taktiken deutlich unterscheiden werden von Mensch zu Mensch und wahrscheinlich sogar von Quartal zu Quartal, so wird die Strategie gleich bleiben. Mit diesem Mindset lassen sich dann auch die Fragen des Lesers in eine Strategie ummünzen:


Welche Lebensmittel komplett weglassen? 

Die Lebensmittel, die Ihnen schaden.


Kohlenhydratreduziertes Essen um Insulinspiegel nicht zu stark ansteigen zu lassen?! 

So essen, dass keine Blutzuckerspitzen und keine großen Insulinausschüttungen entstehen (was man dafür isst oder nicht isst, wird sich individuell massiv unterscheiden).


Vollkornprodukte ja oder nein?

Viele Ballaststoffe und Polyphenole essen aus Quellen, die für Ihre derzeitige Darmflora am besten geeignet sind (was für die wenigsten Menschen Vollkorn sein dürfte).


Intermittierendes Fasten 16:8 dauerhaft eine gute Idee?

Sie wollen den IGF-1-Spiegel zyklisch ansteigen und abfallen lassen. Sie wollen den Glykogen-Kohlenhydratspeicher in der Leber nicht überladen (dazu ist es für fast alle kein Fehler, mindestens 11 Stunden nicht zu essen, jedoch ist die ideale Dauer - ob jetzt 11,0, 11,5, 14, 16 oder 18 Stunden individuell und ggf. auf neu festzulegen)



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