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Dr. Gerschs Wissensarchiv | Lektinfrei
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Ist Waldbaden gesund, obwohl im Wald eine hohe Belastung an Schimmelpilzen vorkommen kann? Diese Frage ist nicht pauschal mit Ja oder Nein zu beantworten. Der Wald ist ein besonderer Lebensraum. Und ein gesunder Wald lebt davon, dass dort Zersetzung stattfindet.
Abgestorbene Bäume, feuchtes Laub und morsches Holz werden von Pilzen, Bakterien und anderen Organismen abgebaut. Aus diesem Prozess entsteht am Ende wieder Erde. Ohne Pilze wäre dieser Kreislauf nicht möglich.
Wenn Sie im Wald spazieren gehen, begegnen Sie deshalb immer auch einer hohen aerogenen Sporenlast. Das bedeutet: In der Luft befinden sich viele Pilzsporen. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches.
Im Freien ist die Belastung oft sogar höher als in einem gut gepflegten Innenraum. Besonders rund um feuchtes Laub, Totholz und Bodennähe finden sich Zersetzerpilze in großer Zahl. Und genau das gehört zur Biologie des Waldes.
Waldbaden, also das bewusste Eintauchen in die Waldatmosphäre, stammt aus Japan und wird dort als Shinrin Yoku bezeichnet. Im Mittelpunkt stehen nicht nur Bewegung und Ruhe, sondern auch die Inhalation von sekundären Pflanzenstoffen aus Bäumen.
Das kann eine parasympathische Aktivierung fördern. Viele Menschen empfinden das als entspannend. Der Wald kann also durchaus positive Effekte haben. Und trotzdem gilt: Nicht jede Person profitiert in gleicher Weise.
Der entscheidende Unterschied liegt darin, wie Sie auf Schimmelpilze reagieren. Wenn Sie keine Allergie haben und keine besondere Empfindlichkeit besteht, wird das Einatmen der üblichen Sporen im Wald meist gut vertragen.
Ihr Organismus kommt mit dieser natürlichen Belastung in der Regel zurecht. Anders ist es jedoch bei Menschen mit einer Pilzallergie oder mit Asthma. Gerade an feuchtwarmen Tagen im Spätsommer oder Herbst kann die Konzentration bestimmter Schimmelpilze wie Aspergillus oder Alternaria deutlich erhöht sein.
In Bodennähe ist die Exposition dann oft besonders ausgeprägt.
Wenn Sie sensibilisiert sind, kann der Waldkontakt dadurch Beschwerden auslösen. Es kann zu einer massiven Allergenexposition kommen.
Dann sind Asthmaanfälle, allergische Rhinitis und andere Symptome möglich. Und das kann Sie deutlich krank machen. Auch für Menschen mit Immunsuppression, etwa unter Chemotherapie oder nach einer Organtransplantation, ist Vorsicht wichtig.
Feuchter Waldboden kann durch die hohe Menge an Schimmelpilzsporen eine relevante Gefahrenquelle sein.
Die Frage, ob Waldbaden gesund ist, hängt also stark vom Setting ab. Der Wald ist an sich ein großartiger Ort.
Aber nicht automatisch für jeden Menschen in jeder Situation. Es macht einen Unterschied, ob Sie durch einen Wald gehen, dort ruhig atmen und die Natur genießen, oder ob Sie sich direkt auf feuchten Boden legen.
Es macht auch einen Unterschied, ob Sie durch die Nase atmen oder ungefiltert durch den Mund. Die Nase mit ihrem Flimmerepithel kann Partikel besser abfangen und reinigen. Beim Mundatmen fehlt dieser natürliche Filter weitgehend.
Und noch etwas ist wichtig: Ein Speisepilz ist nicht dasselbe wie verschimmeltes Material. Ein essbarer Pilz ist in der Regel nicht mit Schimmelsporen kontaminiert, weil Pilze miteinander konkurrieren.
Ein verschimmelter Pilz oder verschimmeltes Essen ist dagegen etwas völlig anderes. Dort können gesundheitsschädliche Stoffe wie Aflatoxine eine Rolle spielen. Das ist ein anderer Bereich als die normale Belastung beim Aufenthalt im Wald.
Sie sehen also: Waldbaden kann entspannend und wohltuend sein. Aber es ist nicht für jeden Menschen automatisch gesund. Wer allergisch ist, Asthma hat oder immungeschwächt ist, sollte feuchte Waldgebiete, besonders in bestimmten Jahreszeiten, kritisch betrachten.
Und wer den Wald einfach als Erholungsort nutzt, profitiert am ehesten dann, wenn er die Bedingungen und die eigene Empfindlichkeit mitbedenkt.
Der Wald ist ein Ort der Regeneration. Er ist aber zugleich ein Ort intensiver biologischer Aktivität.
Pilze gehören dazu. Und genau deshalb ist es sinnvoll, zwischen natürlicher Waldluft und einer relevanten Schimmelpilzexposition zu unterscheiden.