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Dr. Gerschs Wissensarchiv | Lektinfrei
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Viele Menschen mit einer empfindlichen Verdauung oder speziellen Ernährungsformen fragen sich, ob es sinnvoll ist, vor einem Restaurantbesuch vorsorglich Verdauungsenzyme einzunehmen.
Gerade wenn Sie befürchten, dass Sie außer Haus nicht zu 100 % Ihrem üblichen Ernährungsplan folgen können, erscheint die Einnahme solcher Präparate auf den ersten Blick plausibel.
Und dennoch lautet der erste wichtige Ratschlag: Verzichten Sie auf größere Ernährungsausnahmen im Restaurant zumindest solange, bis Sie sich wirklich fit fühlen, Ihre Entzündungsparameter auf Null stehen und Ihr Körpergefühl exzellent ist.
Erst in diesem Zustand lässt sich problemlos ein sogenannter Cheat-Day nach klaren Instruktionen durchführen. Bestehen jedoch weiterhin Symptome oder Unsicherheiten, sollten Experimente mit Ausnahmen und neuen Produkten eher vermieden werden.
Verdauungsenzyme kann unser Körper in großer Mehrheit selbst synthetisieren. Die Verdauung beginnt im Magen, wo Magensäure Makronährstoffe vorverdaut und leicht enzymatisch zerlegt.
Nach der vollständigen Zerkleinerung gelangen die Nahrungsbestandteile in den Dünndarm. Dort wird mit Sekreten der Bauchspeicheldrüse die eigentliche Enzymverdauung fortgeführt, insbesondere die Zersetzung von Eiweißen.
Die Leistungsfähigkeit dieses Systems variiert individuell sie ist teilweise genetisch bedingt und kann beispielsweise durch eine Stuhluntersuchung abgeklärt werden. Liegen tatsächliche Mängel vor, verschreiben rztinnen und rzte bewährte, meist tierische Enzympräparate mit Arzneimittelstatus, keine herkömmlichen Nahrungsergänzungsmittel.
Manche Verdauungsenzyme aus pflanzlichen Quellen können jedoch Allergien oder Unverträglichkeiten verstärken. Präparate mit Bromelain, einem Ananasenzym, sind häufig in Nahrungsergänzungsmitteln enthalten und stehen nicht selten am Anfang von unverstandenen Unverträglichkeiten oft ohne dass direkte Ananaskonsum vorliegt.
Deshalb werden in der ärztlichen Praxis eher tierische Enzyme bevorzugt, da sie dem menschlichen System ähnlicher sind und seltener zu Reaktionen führen.
Ein kritischer Blick auf die Zusammensetzungen gängiger Präparate zeigt, dass vielfach ein Mix unterschiedlichster Enzyme angeboten wird, um möglichst alle potenziell schwer verdaulichen Nahrungsbestandteile anzugreifen.
Hierbei kommen beispielsweise auch Zellulasen zur Anwendung, die theoretisch pflanzliche Zellwände aufschließen können eine Fähigkeit, die eigentlich weder beim Menschen physiologisch sinnvoll noch vorgesehen ist.
Sinnvoll dosierte Enzyme für spezielle Bedürfnisse, wie zum Beispiel Laktase bei tatsächlicher Laktoseunverträglichkeit, können im Einzelfall gezielt ergänzen. Eine pauschale, vorsorgliche Einnahme von komplexen Enzymmischungen vor Restaurantbesuchen ist jedoch nicht empfehlenswert.
Auch eine Neutralisation der Magensäure durch Zusatzstoffe in manchen Präparaten kann die natürliche Verdauung sogar verschlechtern.
Viel zielführender ist es, im Restaurant gezielt die individuell verträglichen Speisen zu wählen oder auf spezielle Restaurantkarten zurückzugreifen, die dem Koch Ihre Bedürfnisse klar kommunizieren.
Dieser Ansatz hat sich als praxistaugliche und nachhaltige Strategie bewährt vorausgesetzt, es handelt sich um ein Restaurant mit echter Küche. Aufgewärmtes Fertigessen sollte hingegen gar keine Option sein.
Zusammengefasst empfiehlt sich bei empfindlicher Verdauung: Setzen Sie auf körpereigene Verdauungsleistung und ärztlich abgestimmte Präparate bei echten Mängeln, statt auf breit gemischte Enzympräparate aus dem Regal.
So gewährleisten Sie auch beim Essen außerhalb ein gutes Bauchgefühl und bleiben Ihrer Gesundheit treu.