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Dr. Gerschs Wissensarchiv | Lektinfrei
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Sie fragen sich vielleicht, ob Sie auf lektinfreier Ernährung ein Präparat mit Traubenkern- oder Kieferrindenextrakt verwenden können. Grundsätzlich gilt: Ja, das können Sie.
Aber die wichtigere Frage ist, ob das überhaupt klug ist.
OPC steht für oligomere Proanthocyanidine. Es handelt sich dabei um polyphenolreiche Extrakte, die aus Trauben oder aus Kiefern gewonnen werden.
Beide Rohstoffe sind zunächst keine klassischen lektinreichen Lebensmittel. Das heißt, die Lektine stehen hier nicht im Vordergrund. Und trotzdem lohnt sich ein genauer Blick auf Herkunft, Verarbeitung und tatsächlichen Nutzen.
Diese Extrakte werden meist als Antioxidantien verkauft. Enthalten sind sekundäre Pflanzenstoffe, vor allem Proanthocyanidine. Das sind Pflanzenstoffe, die im Labor durchaus antioxidativ wirken können.
Sie kommen in Trauben vor und geben der Frucht unter anderem ihre dunklere Farbe. Auch die Kiefer enthält solche Stoffe in ihrer Rinde.
Problematisch ist jedoch oft die Quelle. Gerade bei Trauben stellt sich die Frage nach Rückständen.
Wenn Trauben stark gespritzt worden sind, dann kann ein daraus hergestellter Extrakt ein sehr konzentrierter Pflanzenschutzmittel-Extrakt sein. Bei Trauben gibt es in manchen Sorten Nachweise von zahlreichen Präparaten und Rückständen.
Und niemand säubert einfach alles vollständig heraus. Wenn dann aus solchen Rohstoffen ein Traubenkernextrakt hergestellt wird, ist das nicht automatisch ein Produkt aus sauberer, biologischer Herstellung.
Es kann durchaus ein Extrakt mit relevanter Belastung sein.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt. Wenn Sie Traubenkerne gewinnen, was ist dann mit dem Rest der Traube? Häufig wird dabei nicht nur das Beste verwendet.
Und wenn Rohstoffe länger lagern oder nicht optimal verarbeitet werden, stellt sich auch die Frage nach Schimmel und weiterer Kontamination. Auch das ist ein Grund, vorsichtig zu sein.
Bei Kieferrindenextrakten ist die Lage ähnlich.
Theoretisch können Sie relativ viele Pflanzenbestandteile essen, wenn Sie genau wissen, was Sie tun. Bei manchen Blättern und Rinden ist das sogar möglich. Aber nicht bei allen. Und es bleibt die Frage, ob das gesundheitlich wirklich sinnvoll ist.
Wenn ein Kind im Wald ein Stück Kiefernrinde in den Mund steckt, würde niemand sagen, das sei besonders empfehlenswert. Im Wald finden sich zudem Schimmelpilze und andere Belastungen. Das heißt, auch hier ist eine Kontamination nicht ausgeschlossen.
Sie können im Labor zwar nachweisen, dass OPC antioxidativ wirksam ist. Aber wirkt es auch im Körper in einer Weise, die für Sie relevant ist? Dazu gibt es nicht besonders viele gute Studien.
Und genau hier wird es wichtig. Wenn Sie von außen Antioxidantien zuführen und diese im Körper wirklich stark wirken, dann greifen Sie in das Redoxgleichgewicht ein. Dieses Gleichgewicht zwischen oxidativen und antioxidativen Prozessen ist für den Organismus wichtig.
Man kann in diesen Redoxhaushalt eingreifen. Aber man sollte sehr genau wissen, was man tut. Man sollte messen. Man sollte überprüfen. Denn wenn Sie zu viele Antioxidantien zuführen, kann es sein, dass der Körper seine eigene Produktion herunterfährt.
Das klingt zunächst nicht problematisch. Aber der Körper braucht ein Gleichgewicht.
Wenn die eigene antioxidative Aktivität gedrosselt wird, kann es in Situationen mit erhöhtem Bedarf zu Schwierigkeiten kommen.
Dann kommt der Körper möglicherweise nicht schnell genug nach. Und Sie wissen außerdem nicht, welche Menge OPC in einer akuten Situation überhaupt nötig wäre. Wenn Sie krank werden oder sich verletzen, ist das nicht einfach verlässlich zu dosieren.
Wenn Sie Polyphenole zuführen möchten, ist das grundsätzlich eine gute und sinnvolle Sache. Aber dafür gibt es bessere Quellen. Wenn Sie Blaubeeren mögen, sind tiefgefrorene Blaubeeren eine sehr gute Wahl.
Sie liefern Polyphenole in einer natürlichen Form. Und Sie können gut selbst prüfen, ob Sie diese Lebensmittel vertragen und ob sie Ihnen guttun.
Auch Olivenöl ist eine sehr gute Quelle im Rahmen einer passenden Ernährung.
Unterschätzen Sie außerdem nicht die Rolle von Kaffee. Und auch Tomatenprodukte können interessant sein, vor allem wenn sie lektinfrei zubereitet sind. Tomatenpassata oder Tomatenmark enthalten oft beachtliche Mengen an Polyphenolen.
Es gibt also viele gute Quellen, ohne dass Sie zu einem Nahrungsergänzungsmittel greifen müssen.
Wenn Sie die Kosten betrachten, stellt sich ebenfalls die Frage nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis.
Eine Packung OPC ist für das, was tatsächlich enthalten ist, oft kein besonders gutes Angebot. Wenn Sie stattdessen Ihre Ernährung insgesamt sinnvoll umsetzen, mit gutem Olivenöl, mit geeigneten Pflanzenstoffen und mit passenden Lebensmitteln, dann haben Sie unterm Strich meist deutlich mehr davon.
Ich habe in meiner ärztlichen Tätigkeit viele Nahrungsergänzungsmittel ausprobiert. Langfristig genommen habe ich nur das, was ich entweder spüren konnte oder messen konnte.
OPC gehört für mich klar in die Kategorie: weder spürbar noch gut messbar. Und damit ist für mich der Stellenwert eher gering.
Man könnte in besonderen Situationen über einen Versuch nachdenken.
Wenn jemand eine systemische Entzündung hat und diese sich trotz aller Maßnahmen nicht gut senken lässt, vielleicht auch mit einer genetischen Komponente, dann kann man ausprobieren, was passiert, wenn man OPC hinzufügt.
Das ist nicht grundsätzlich falsch. Aber es bleibt eine Option, keine erste Wahl.
Und ich würde dabei immer an die Herkunft denken. Eine saubere Quelle ist nicht selbstverständlich.
Genau deshalb wäre OPC für mich nicht das erste Präparat, zu dem ich greifen würde. Wenn Sie Polyphenole aufnehmen möchten, dann lieber über gut verträgliche und gut kontrollierbare Lebensmittel.