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Dr. Gerschs Wissensarchiv | Lektinfrei
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Viele Verbraucher stellen sich die Frage, ob das Kürzel auf einem Lebensmittel, wie etwa BY für Bayern, auf der Verpackung von einem Milchprodukt wirklich garantiert, dass die Milch tatsächlich aus dieser Region stammt.
Immerhin finden sich auf den Packungen oft sogenannte Herstellersiegel, etwa wie BY718. Doch was sagen diese Zahlen und Buchstaben wirklich aus und wie sicher können Sie sein, dass Ihre Milch auch tatsächlich von bayerischen Kühen stammt?
Tatsächlich handelt es sich bei diesen Angaben auf der Rückseite der Verpackung meist um ein Veterinärsiegel.
Dieses Siegel ist dem jeweiligen Betrieb zugeordnet, in dem die Milch verarbeitet wurde. Es steht also nicht direkt für die ursprüngliche Herkunft der Milch, sondern eben für die Molkerei, in der das Produkt abgefüllt oder weiterverarbeitet wurde.
Wer beispielsweise das Siegel BY718 sieht, stößt bei einer Recherche auf die Molkerei des Müller-Konzerns nahe Augsburg einem der größten Lebensmittelunternehmen Deutschlands.
Der dortige Betrieb verarbeitet enorme Mengen Milch. Man darf also davon ausgehen, dass die Milch nicht nur aus dem direkten Umland kommt, sondern von Sammellastern angeliefert wird, die oft einen weiteren Weg hinter sich haben.
Und Müller betreibt zudem Standorte auch in Norddeutschland. Der Konzern verkauft die Produkte nicht nur unter der eigenen Marke, sondern auch an zahlreiche Discounter, wobei der Preis eine große Rolle spielt.
Aus ökonomischen Gründen werden die Sammelwege dennoch so kurz wie möglich gehalten. Da Bayern eine hohe Milchproduktion im Vergleich zu anderen Ländern Deutschlands aufweist, stammt jedoch die meiste dort verarbeitete Milch tatsächlich aus der Region.
Dennoch besteht keine absolute Garantie.
Entscheidend für die Herkunftssicherheit ist oftmals die Tatsache, ob es sich beim Molkereibetrieb um eine Genossenschaft handelt. Eine Molkereigenossenschaft verarbeitet nur die Milch ihrer Mitglieder, was eine klar regionale Zuordnung ermöglicht.
Marken wie Berchtesgadener Land sind dafür bekannt und werden oft konkret empfohlen, da hier die Milch tatsächlich aus einer begrenzten Region stammt. Studien haben gezeigt, dass rund 80 Prozent der dortigen Kühe sogenannte A2-Milch liefern ein Vorteil für viele Konsumenten, die auf diese Milchart Wert legen.
Wer Wert auf Regionalität und Nachvollziehbarkeit legt, entscheidet sich idealerweise für Produkte einer solchen Genossenschaftsmolkerei. Noch besser ist es, den Bauern des Vertrauens in der eigenen Region zu kennen und die Herkunft persönlich zu überprüfen.
Viele Siegel, wie etwa das Heumilchsiegel oder regionale Marken wie Schwarzwaldmilch, bieten zusätzliche Sicherheit und sprechen für eine gute Fütterung sowie Tierhaltung.
Es gibt aber auch Ausnahmen so können Sie zum Beispiel in Deutschland eine Packung mit niederländischer Jerseymilch finden, auf der ein hessisches Veterinärsiegel prangt.
Das liegt daran, dass die Milch in Deutschland verarbeitet und abgefüllt wurde, bevor sie zurück in die Niederlande gelangt. Solche Wege zeigen, dass ein Veterinärsiegel zwar ein verlässlicher Indikator für den Verarbeitungsort ist, aber keine eindeutige Herkunftsgarantie für die Milch selbst bietet.
Insgesamt sind die Veterinärsiegel auf Milchprodukten in Deutschland recht zuverlässig und helfen bei der Orientierung. Dennoch sollten Sie beachten, dass diese Siegel vor allem für den Verarbeitungsbetrieb stehen.
Wer maximale Transparenz möchte, achtet zusätzlich auf Genossenschaften, regionale Marken und spricht im besten Fall mit den Milchbauern der Region.