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Dr. Gerschs Wissensarchiv | Lektinfrei
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Sprechen wir über langfristigen Erfolg, wenn Sie eine Insulinresistenz oder eine Fettleber angehen. Und genau darum geht es hier: Wie bekommen Sie das langfristig gut in den Griff?
Die entscheidende Frage ist nicht, wie Sie ein kurzes Strohfeuer entzünden.
Entscheidend ist, dass Sie einen Prozess aufbauen, der Wochen und Monate laufen kann. Erst dann funktioniert es wirklich. Eine Fettleber und eine Insulinresistenz entstehen nicht über Nacht. Und genauso verschwinden sie auch nicht über Nacht.
Deshalb sollte Ihr Ziel bei allen Lebensstiländerungen immer sein, erreichte Fortschritte zu zementieren. Sie wollen Rückfälle bei Urlauben, Familienfeiern oder anderen Ausnahmesituationen möglichst verhindern.
Denn die Erfahrung zeigt: Wenn Sie einmal in eine Situation kommen, in der Sie größere Ausnahmen machen, braucht es sehr viel Willenskraft, um wieder zurückzugehen. Oft ist genau das der Punkt, an dem Menschen wieder in alte Muster fallen.
Trotzdem geht es nicht um lebenslangen Verzicht. Es geht um metabolische Flexibilität. Eine gesunde Leber kann gelegentliche Ausreißer kompensieren. Sie müssen also nicht in einer strengen Verbotshaltung leben.
Aber Sie sollten in 98 Prozent der Fälle konsequent sein und in 2 Prozent der Fälle sinnvolle Ausnahmen machen.
Diese Ausnahmen sollten wirklich sinnvoll sein. Wenn Sie eine nachgewiesene Allergie haben oder etwas definitiv nicht vertragen, dann ist das keine Ausnahme, die man einfach gelegentlich macht.
Dann sollten Sie es konsequent meiden. Bei der Insulinresistenz sprechen wir dagegen von Situationen, in denen eine ungünstige Kombination zwar nicht ideal ist, aber nicht automatisch sofort schädlich sein muss.
Eine der ungünstigsten Kombinationen für die Leber ist Alkohol zusammen mit Fruchtzucker. Ein Cocktail ist dafür ein gutes Beispiel. Natürlich hängt vieles von der Menge ab.
Ein Cocktail in der Woche oder gelegentlich zwei können noch in diesem 80-zu-20-Prinzip liegen. Wenn daraus aber eine tägliche Gewohnheit wird, etwa jeder Abend mit einem Sundowner, dann fallen Sie sehr wahrscheinlich in genau die Probleme zurück, die Sie eigentlich verbessern wollten.
Wenn Sie Ausnahmen machen, dann überlegen Sie immer auch, ob Sie einen Vorteil mit einbauen können. Wenn Sie zum Beispiel mehr Kohlenhydrate essen möchten, als für Sie günstig sind, dann können Sie gegensteuern.
Ein wenig Essig kann die Insulinsensitivität verbessern. Bewegung nach dem Essen ist ebenfalls sehr hilfreich. Ein Spaziergang, Treppensteigen oder ein paar Kniebeugen können dazu beitragen, dass das Kohlenhydrat anders verarbeitet wird, als wenn Sie nur auf dem Sessel sitzen und alles in die Leber geht.
Genau darum geht es: Blutzuckerspitzen möglichst effektiv abzuflachen. Und idealerweise sollen Kohlenhydrate nicht in den Leberspeicher gehen, wo sie Fett bilden und die Insulinresistenz fördern.
Sie möchten stattdessen, dass Kohlenhydrate als Glykogen in der Muskulatur gespeichert oder direkt verbrannt werden. Dort gehören sie am allerbesten hin.
Wenn Sie einen solchen Prozess beginnen, geben Sie ihm genug Zeit.
Das ist vielleicht einer der wichtigsten Punkte. Geduld ist entscheidend. Eine Leber zu entfetten ist absolut machbar, aber es dauert. Und es ist sinnvoll, zwischendurch mit Surrogatmarken zu arbeiten, damit Sie sehen, ob Sie auf dem richtigen Weg sind.
In der Praxis lassen sich dafür Leberwerte messen, zum Beispiel Gamma-GT, GPT oder AST. Daran kann man häufig schon erkennen, dass sich die Leber allmählich in die richtige Richtung entwickelt.
Noch direkter sehen Sie die Verbesserung der Insulinresistenz an Insulinmessungen im Blut, zum Beispiel im HOMA-Index, wenn Glukose und Insulin zueinander ins Verhältnis gesetzt werden.
Solche Kontrollen machen wir häufig alle drei Monate.
Häufiger macht es in der Regel keinen Sinn, weil sich der Körper Zeit nehmen muss, um sich umzustellen. Ein früher Erfolgsindikator ist auch das Verhältnis von Triglyzeriden zu HDL.
Triglyzeride sollen sinken, HDL soll im Verhältnis besser dastehen. Das ist nicht bei jedem Menschen gleich gut erreichbar, denn es gibt auch genetische Unterschiede. Für viele ist es aber eine sehr gute Kennzahl, weil sie zeigt, dass der Fettsäurestoffwechsel besser funktioniert.
Wenn Sie auf den Ultraschall warten, bis Sie eine sichtbare Verbesserung der Fettleber erkennen, brauchen Sie meist mindestens sechs, eher zwölf Monate konsequenter Lebensstiländerung.
Deshalb ist der Ultraschall ein langfristiger Zielparameter. Kurzfristig orientieren Sie sich besser an Laborwerten und an Ihrem Befinden.
Und genau das ist wichtig: Wir behandeln Menschen und keine Laborwerte.
Wie Sie sich fühlen, zählt sehr. Sie sollten deutlich früher merken, ob Sie auf dem guten Weg sind. Regelmäßige Kontrollen dienen nicht nur der Medizin, sondern auch der Motivation.
Sie sehen dann: Lohnt sich die Mühe? Geht es in die richtige Richtung?
Sehr sinnvoll ist es, Zielwerte auch schriftlich festzuhalten. Wenn wir in der Praxis Labore besprechen, notiere ich häufig direkt die Ziele.
Etwa: Triglyzeride unter einen bestimmten Wert, HDL in einem besseren Verhältnis. So entsteht Klarheit. Und wenn man die Werte später nebeneinander legt oder als Graphen betrachtet, sieht man die Entwicklung über die Zeit viel besser.
Die Leber ist ein erstaunliches Regenerationsorgan. Sie ist das einzige Organ, das fast vollständig nachwachsen kann. Deshalb ist Perfektion nicht Ihr Ziel. Die Leber verzeiht Fehltritte, solange genügend Regenerationsfenster vorhanden sind.
Fastenphasen, Bewegung und ausreichende Erholungszeiten helfen dabei. Aber Dauerüberlastung ist ein Problem. Die Leber kann nicht ewig alles kompensieren.
Deshalb lohnt es sich, die Situation nicht als Schicksal zu sehen.
Eine Fettleber ist in vielen Fällen ein gut angehbares und für die meisten Menschen noch lösbares Problem. Das ist ein wichtiger Perspektivwechsel. Es geht nicht darum, sich zu kasteien.
Es geht darum, den Stoffwechsel als wertvolles System zu betrachten, das Fürsorge verdient.
Und hier kommt die Identität ins Spiel. Viele Menschen denken bei Ernährung zuerst an eine Diät.
Dann steht im Hinterkopf sofort das Gefühl von Verzicht. Genau das ist auf Dauer oft ein Problem. Wenn Sie sich nur eingeschränkt fühlen, werden Sie diesen Zustand nicht dauerhaft akzeptieren.
Deshalb sollten Sie keinen Mangel pflegen, sondern einen nachhaltigen gesunden Lebensstil etablieren.
Das Ziel ist, dass dieser Lebensstil irgendwann Ihr neuer Standard wird. Dann denken Sie nicht mehr dauernd daran, worauf Sie verzichten müssen.
Dann sagen Sie vielmehr: So will ich das gerne haben. So tut es mir gut. Und das ist der entscheidende Unterschied.
Menschen können sich an sehr vieles gewöhnen. Und genau deshalb ist es so wichtig, dass Sie nicht nur Regeln aufstellen, sondern an Ihrer Identität arbeiten.
Wer sich als jemand versteht, der auf seine Gesundheit achtet, handelt anders. Der Blick verschiebt sich von Einschränkung hin zu Fürsorge.
Ein gutes Beispiel dafür ist Gewohnheit.
Wenn Sie sich morgens die Zähne putzen, denken Sie auch nicht jeden Tag neu darüber nach. Es ist einfach ein Automatismus. Genau so kann gesunde Ernährung irgendwann funktionieren. Anfangs kostet es Energie.
Aber wenn Sie es langfristig wiederholen, wird es Routine.
Kurze, harte Selbstzwänge scheitern oft. Langfristig durchhalten heißt etwas anderes. Es bedeutet, dass etwas irgendwann nicht mehr als Durchhalten erlebt wird, sondern als normal.
Wer Gewicht nur über Punkte zählt oder Kalorien kontrolliert, hält das oft nur so lange durch, wie das System aktiv ist. Sobald die Kontrolle wegfällt, kommt das Gewicht meist zurück.
Wenn Sie aber eine Ernährung aufbauen, die satt macht, Energie gibt und Ihnen gut tut, dann wird sie irgendwann zum eigenen Lebensstil. Und dann kostet sie deutlich weniger Kraft. Genau das ist der Weg, den viele Menschen über Jahre erfolgreich gehen.
Ich gebe Ihnen noch ein persönliches Beispiel. Früher, als ich deutlich mehr wog, habe ich irgendwann entschieden, da