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Dr. Gerschs Wissensarchiv | Lektinfrei
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Gen-Tests und deren Anwendungen sind ein faszinierendes Thema. In Deutschland reguliert das Gendiagnostikgesetz diese Tests. Dies bedeutet, dass sie nicht routinemäßig durchgeführt werden, da ein erhöhter Aufklärungsaufwand besteht.
Grundsätzlich haben wir das Recht auf Nichtwissen, was eine umfassende Beratung erforderlich macht.
Ein häufiges Thema ist die Korrelation bestimmter Gene, wie HLA-DQ2 und HLA-DQ8, mit Gluten-Unverträglichkeit.
Bei diesen Genen besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit für Autoimmunerkrankungen wie Typ 1 Diabetes und Zöliakie.
Meine feste Überzeugung lautet jedoch: Gene sind nicht unser Schicksal.
Schlechte Gene führen nicht zwangsläufig zu Krankheit, wenn wir gesundheitsfördernde Entscheidungen treffen. Ebenso machen gute Gene uns nicht unverwundbar, wenn wir uns ungesund verhalten.
Daher interessieren mich persönlich Gen-Tests nicht besonders viel.
Es gibt tatsächlich sehr wenige Gene, die eine Krankheit zu 100 Prozent vorhersagen. Bei den meisten Genen bewirken sie lediglich eine erhöhte Wahrscheinlichkeit.
Ein Beispiel: Ich habe nach Gen-Tests eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Schuppenflechte und Prostatakrebs. Doch das bedeutet nicht, dass ich diese Krankheiten zwangsläufig bekomme.
Ein alternativer Ansatz für genetische Informationen sind HLA-Typen, die über Knochenmarkspender-Registrierungen erhältlich sind.
Diese Daten können wesentliche Hinweise auf genetische Prädispositionen liefern. Wenn etwa jemand HLA-DQ2 oder DQ8 trägt, zeigt dies ein erhöhtes Risiko für bestimmte Autoimmunerkrankungen, darunter auch Zöliakie.
Warum diese Assoziationen bestehen, ist einfach: Gluten, ein Lektin, interagiert besonders stark mit der Darmschleimhaut von Menschen, die diese Gen-Typen haben. Diese Bindung erklärt, warum kleine Glutenmengen sie stärker beeinflussen können.
Nichtsdestotrotz zeigen Studien, dass jene, die eine glutenfreie Ernährung einhalten, von weniger Symptomen wie Reizdarm-Syndrom berichten.
Lektine als Proteinverbindungen binden unterschiedlich stark an Zellstrukturen, ähnlich wie verschiedene Kleber an Materialien.
Unterschiedliche Ernährungsansätze, wie die Bluttgruppendiät, basieren auf diesen Bindungsstärken.
In der Praxis lege ich mehr Wert auf klinische Symptome und weniger auf genetische Tests.
Eine gute Familienanamnese liefert oft wertvollere Informationen. Gen-Tests können zwar Hinweise geben, aber am Ende sind Ernährung und Lebensstil entscheidend für die Gesundheit.