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Dr. Gerschs Wissensarchiv | Lektinfrei
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Die Beziehung zwischen Toxinen aus dem Darm und Autoimmunerkrankungen ist ein faszinierendes und zunehmend erforschtes Gebiet der Medizin. Anstatt auf die Entzündungsmoleküle zu blicken, die der menschliche Körper selbst produziert, sollten wir die Proteine und Toxine in Augenschein nehmen, die von Bakterien im Darm-Mikrobiom unter Stress entstehen.
Studien legen eine klare Korrelation nahe: Nahezu alle Autoimmunerkrankungen zeigen eine Beteiligung des Darm-Mikrobioms. Ein wesentlicher Punkt, der bislang nicht ausreichend beleuchtet wurde, ist die Rolle von Bakterientoxinen, die sich an Rezeptoren im Körper binden.
Diese Toxine, wie zum Beispiel Endotoxin, können bei uns im Labor nachgewiesen werden. Endotoxin ist ein Bestandteil der Oberflächenstruktur bestimmter Bakterien wie Escherichia coli.
Dieser gelangt über die Magen-Darm-Barriere in den Blutkreislauf und so in den gesamten Organismus. Die Leber hat die Aufgabe, diese Toxine zu entgiften, eine Funktion, die über Millionen von Jahren evolutionär etabliert wurde.
Ein angeborener Teil unseres Immunsystems, bekannt als Toll-like Rezeptoren, erkennt Endotoxine und startet daraufhin Entzündungsreaktionen. Insbesondere TNF-Alpha wird vermehrt ausgeschüttet, ein Molekül, das bei Autoimmunerkrankungen häufig in erhöhten Mengen vorliegt.
Es gibt sogar therapeutische Antikörper, die gezielt gegen TNF-Alpha gerichtet sind.
Praktisch gesehen messen wir bei Patienten mit autoimmunen oder chronischen Entzündungssymptomen regelmäßig den TNF-Alpha-Spiegel oder den Endotoxinspiegel im Blut.
Ein Anstieg zeigt an, dass das Immunsystem durch die Anwesenheit von Endotoxinen in Alarm versetzt wird, ohne dass tatsächlich eine Bakterieninfektion vorliegt.
Dieses Missverhältnis wird häufig größer, wenn eine Leberzirrhose vorliegt, da die Leber dann nicht mehr effektiv entgiften kann.
Die Folge sind steigende Endotoxinwerte im Blut, was zu systemischen Entzündungsreaktionen führt. Eine ähnlich ernsthafte Situation tritt bei einer Sepsis auf, wo das Endotoxin als Auslöser des sogenannten Schockzustands gilt, was die Herausforderung der Bekämpfung über bloße Antibiotikagaben verdeutlicht.
Zusätzlich kann eine Fehlbesiedelung im Darm zu einer Überproduktion von Endotoxinen führen. Auch bei einem intakten Darm kann dies eine zu hohe Endotoxin-Belastung auslösen.
Eine systematische Testung auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten und ein darauf abgestimmter Ernährungsplan können in diesem Fall helfen, die Balance zurückzugewinnen.
Der gezielte Einsatz von Ballaststoffen, die keine endotoxinbildenden Bakterien fördern, wie beispielsweise Flohsamenschalen, kann den Darm positiv beeinflussen.
Denn fälschlicherweise gewählte Ballaststoffe können das Wachstum unerwünschter Bakterien begünstigen.