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Dr. Gerschs Wissensarchiv | Lektinfrei
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Immer wieder berichten Betroffene, dass sie nach dem Verzehr von Hähnchenfleisch unter Bauchschmerzen leiden, besonders dann, wenn sie sonst eine lektinfreie Ernährung befolgen.
Die Ursachen für solche Beschwerden sind vielfältig und nicht immer leicht zu bestimmen.
Zunächst gilt es zu beachten, dass die Diagnose von Bauchschmerzen aus der Ferne kaum möglich ist.
Viele verschiedene Faktoren können für die Beschwerden verantwortlich sein, wie zum Beispiel harmlose, aber akute Magen-Darm-Infektionen, die zeitlich zufällig mit dem Fleischverzehr zusammenfallen.
Gerade auf Festen und Veranstaltungen ist das Risiko, sich mit Viren oder Bakterien anzustecken, erhöht.
Unabhängig davon gibt es einige Besonderheiten im Zusammenhang mit Hähnchenfleisch und lektinfreier Ernährung, die bei sensiblen Personen eine Rolle spielen können.
Allgemein ist es vorzuziehen, bei gelegentlichen Ausnahmen tierische Produkte aus einer weniger optimalen Haltung zu wählen, anstatt zu pflanzlichen, lektinhaltigen Lebensmitteln zu greifen. Trotzdem ist zu beachten: Auch Hühner erhalten industrielle Futtermittel, die oft reich an Lektinen sind.
Hühner sind jedoch von Natur aus nicht darauf ausgelegt, Lektine zu verdauen. Wenn das Tier bereits eine Störung der Darmbarriere hat, können die aufgenommenen Lektine auch im Fleisch und den Eiern nachweisbar sein mit möglichen Auswirkungen auf Menschen, die besonders empfindlich auf Lektine reagieren.
Ein weiterer häufiger Grund für Beschwerden ist die industrielle Verarbeitung von Fleisch. Häufig handelt es sich nicht mehr um reine Filetstücke, sondern um sogenanntes Pressfleisch.
Hierbei werden Fleischreste mithilfe von Transglutaminase, einem Enzym aus Weizen, zusammengefügt. Diese Technik wird besonders bei Produkten wie Chicken Nuggets oder günstiger Hähnchenwurst angewendet.
Menschen mit einer Lektinunverträglichkeit oder sensibler Verdauung reagieren nicht selten auf solche Zusatzstoffe, obwohl diese zum Teil nicht einmal deklariert werden müssen. Auch ein glutenfrei-Label schützt nicht automatisch vor dem Kontakt mit Transglutaminase, da die eingesetzten Mengen und Bestandteile so gering sind, dass sie nicht aufgeführt werden müssen.
Typisch für gepresste Fleischprodukte ist das Fehlen einer natürlichen Fleischstruktur. Sie erkennen solche Produkte oft daran, dass sie optisch einer Hähnchenbrust ähneln, aber bei näherer Betrachtung keine Fasern oder Maserung aufweisen und zu ungewöhnlich niedrigen Preisen verkauft werden.
Solche Formen hochverarbeiteter Lebensmittel sind potenziell problematisch, weil neben den eigentlichen Fleischzutaten auch verschiedene Enzyme und Hilfsstoffe zur Anwendung kommen, die das Risiko für Unverträglichkeiten steigern können.
Die Häufigkeit von Unverträglichkeiten gegenüber Lebensmitteln nimmt zu, was auch im Zusammenhang mit der steigenden Verbreitung überverarbeiteter Nahrungsmittel stehen dürfte.
Neben unbekannten Zusatzstoffen spielt vor allem die Unkenntnis über deren genaue Zusammensetzung eine Rolle; viele Menschen wissen gar nicht, was sich alles in solchen Produkten befindet.
Letztlich sind Bauchschmerzen nach Hähnchen also ein komplexes Zusammenspiel aus individueller Empfindlichkeit, individueller Ernährung und Lebensmittelverarbeitung.
Eine genaue Abklärung der Ursachen sollte stets im direkten Kontakt mit medizinischem Fachpersonal erfolgen.