Logo
Dr. Gerschs Wissensarchiv | Hyperventilationssyndrom

Kieferrelease und Atemwelle

Transparenz-Hinweis (EU AI Act): Die Videoinhalte stammen zu 100% von Dr. Gersch oder seinem medizinischen Team. Das Titelbild und die Text-Zusammenfassungen wurden hingegen maschinell durch eine KI (Künstliche Intelligenz) generiert und sind nicht gesondert ärztlich überprüft.

Video-Transkript

Kieferrelease und Atemwelle bei chronischer Hyperventilation

Bei chronischer Hyperventilation geraten Atemmuster oft aus dem Gleichgewicht. Der Atem sitzt gefühlt zu weit oben. Er wird zu schnell, zu flach oder zu kontrolliert.

Viele Betroffene erleben dabei ein Gefühl von Enge, innerer Unruhe oder das Empfinden, nicht richtig ausatmen zu können. Genau hier setzen einfache körperorientierte Übungen an. Sie helfen, den Kiefer zu entspannen, den Brustkorb zu öffnen und den Atem wieder tiefer und ruhiger werden zu lassen.

Warum der Kiefer eine Rolle spielt

Der Kiefer ist eng mit Spannung, Stress und Atemverhalten verbunden. Wenn die Muskulatur im Kieferbereich angespannt ist, kann sich das auf Hals, Nacken und den gesamten Atemraum auswirken.

Und umgekehrt verstärkt ein angespannter Atem häufig auch die Kieferspannung. Deshalb ist ein Kieferrelease ein sinnvoller Einstieg. Es schafft oft sofort mehr Weite im Gesicht und im oberen Atembereich.

Für eine einfache Selbstbehandlung legen Sie die Daumen unter das Jochbein, ein Stück nach außen versetzt, dort, wo Sie die Kiefermuskulatur gut wahrnehmen können. Drücken Sie sanft hinein, bis Sie die Muskulatur spüren.

Dann öffnen Sie den Mund sehr langsam und schließen ihn wieder in Zeitlupe. Nicht kräftig. Nicht bis zur Schmerzgrenze. Nur so, dass Sie eine deutliche Wahrnehmung haben. Das langsame Öffnen und Schließen unterstützt das Loslassen der Spannung.

Langsamkeit löst Verspannungen

Wichtig ist vor allem die Langsamkeit. In der Langsamkeit lösen sich Verspannungen oft besser als durch Kraft. Und manchmal kommt dabei ganz von selbst ein Seufzer.

Dann dürfen Sie diesen Seufzer einfach geschehen lassen. Der Körper beginnt zu regulieren, wenn Sie ihn nicht drängen.

Nach einigen Wiederholungen kann es sein, dass der Speichelfluss zunimmt und sich der Mundraum weicher anfühlt.

Auch das ist ein Zeichen dafür, dass sich der Tonus verändert. Danach können Sie die Augen schließen und dem ganzen Raum nachspüren. Dieser Übergang nach innen ist ein wichtiger Teil der Übung.

Von der oberen Atmung zurück zur Zwerchfellatmung

Viele Menschen mit chronischer Hyperventilation haben das Gefühl, ihr Atem komme nicht richtig nach unten. Dann braucht es ein Training, das den Weg zurück zur Zwerchfellatmung unterstützt.

Im Grunde geht es darum, noch eine Ebene tiefer loszulassen, auch dann, wenn Sie schon ausgeatmet haben. Das ist kein erzwungenes Techniktraining, sondern ein bewusster Rückweg in einen natürlicheren Atemraum.

Eine einfache Form dafür ist die langsame, ruhige Einatmung durch die Nase. Setzen Sie sich aufrecht hin. Die Füße stehen am Boden. Das Becken darf leicht ins Hohlkreuz gehen, das Brustbein hebt sich etwas, der Brustraum öffnet sich.

Bauch und Brustraum sollen frei sein. Dann atmen Sie langsam vier Sekunden ein. Halten Sie den Atem kurz an. Und dann summen Sie aus. Danach folgt eine kurze Pause, in der Sie möglichst nichts tun.

Der Atem darf kommen, wie er will.

Die Atemwelle als Kurzform der Vollatmung

Eine besonders hilfreiche Variante ist die Atemwelle. Dabei atmen Sie zunächst etwa drei Sekunden ein.

Danach entsteht ein kleiner Übergang, die Welle bricht. Dann folgt das Loslassen. Der Atem fließt aus. Nicht aktiv herauspressen. Eher wie bei einem Ballon, aus dem die Luft einfach entweicht.

Am Ende darf noch ein wenig mehr Loslassen entstehen, als ob Sie innerlich noch einmal seufzen würden.

Wenn Sie diese Atemwelle üben, kann der Ausatem länger sein als der Einatem.

Zu Beginn braucht es dafür manchmal noch eine Anleitung mit Zählrhythmus. Später darf es natürlicher werden. Der Körper findet dann oft von selbst in einen ruhigeren Fluss. Und wenn der Impuls zum Einatmen noch nicht kommt, darf auch die Atemstille etwas länger werden.

Das ist nicht falsch. Es ist oft sogar hilfreich.

Sanft, leise und tief atmen

Für eine gute Atemregulation gilt häufig: light, slow and deep. Das bedeutet leise, langsam und tief.

Mit tief ist hier nicht ein großes, angestrengtes Einatmen gemeint. Gemeint ist eine kleine, aber klare Bewegung des Atems in Richtung Zwerchfell und untere Rippen. Legen Sie dazu die Hände unter die untersten Rippenbögen oder direkt darauf.

Atmen Sie bewusst gegen die Hände ein und wieder aus. Die Rippen dürfen sich dabei nur leicht nach vorne, hinten und zu den Seiten weiten.

So spüren Sie, ob der Atem wirklich im unteren Thorax ankommt.

Oft reicht eine kleine Bewegung völlig aus. Es geht nicht um viel Volumen. Es geht um einen ruhigen, unhörbaren Atem, der das Nervensystem nicht zusätzlich anregt.

Mehr Raum im hinteren Atembereich

Manchmal hilft es auch, nicht nur nach vorne in den Bauch zu atmen, sondern eher nach hinten.

Stellen Sie sich vor, Sie atmen entlang der Wirbelsäule zwischen die Schulterblätter und in den Nackenbereich. Das kann das Gefühl von Atemnot verringern und den hinteren Körperraum öffnen.

Gerade bei einem Gefühl von Enge oder einem eingeengten Atem ist diese Vorstellung oft sehr entlastend.

Die Ausatmung bleibt dabei ein Loslassen. Nicht drücken. Nicht pressen. Nur ausfließen lassen.

Wenn die Welle bricht, geschieht das passiv. Genau dieses passive Geschehen ist oft der Punkt, an dem der Körper lernt, sich nicht mehr festzuhalten.

Schwerkraft und Atemstille nutzen

Nach einer Atemwelle kann es hilfreich sein, einfach in die Stille zu gehen.

Lassen Sie den Atem machen, was er möchte. Sinkt der Körper dabei noch ein wenig tiefer in den Stuhl, dann ist das günstig. Auch die Schwerkraft kann mithelfen, Spannungen zu lösen.

Und wenn Sie möchten, bleiben Sie einen Moment in dieser Ruhe. Beobachten Sie, was im Körper passiert. Wie fühlt sich der Brustkorb an. Wie ist der Kiefer. Wie reagieren Speichelfluss, Hals und Schultern.

Jeder Tag ist anders. Jeder Schlaf ist anders. Und jeder Gesundheitszustand auch. Deshalb ist es sinnvoll, genau hinein zu spüren: Was ist jetzt machbar und gut. Manchmal muss man sich ein wenig durch die Enge hindurchmanövrieren.

Aber nur ein bisschen. Nicht mit Gewalt.

Der weiche Blick beim Rückweg in den Alltag

Am Ende ist auch der Übergang zurück wichtig. Lassen Sie die Augen zunächst geschlossen.

Orientieren Sie sich langsam wieder an Gerüchen, Körperempfindungen und an der Atmosphäre im Raum. Öffnen Sie die Augen dann erst halb, und vielleicht noch einmal wieder zu. Wenn Sie die Augen ganz öffnen, dann mit einem weichen, unbestimmten Blick.

Für das Nervensystem bedeutet ein weicher Blick: Hier ist keine Gefahr. Ich kann mich entspannen.

Ein starker Fokus dagegen wirkt oft wie ein Alarmzustand. Gerade nach einer Entspannungs- oder Atemübung ist es deshalb sinnvoll, dem System Zeit für die Rückkehr zu geben.

So kann der Wechsel zwischen Innenwelt und Außenwelt besser gelingen. Das schafft mehr Stabilität und hilft, aus einem Kreislauf aus Anspannung und Atemunruhe auszusteigen.

Und genau darin liegt der Wert einfacher Übungen wie Kieferrelease, Atemwelle und bewusstes, langsames Ausatmen: Sie unterstützen einen ruhigeren Atem, mehr Körperwahrnehmung und einen klareren Zugang zur Zwerchfellatmung.


Quellen: Effects of Lifestyle-Integrated Active Pursed-Lip Diaphragmatic Breathing Training on the Prognosis of Chronic Heart Failure A Retrospective Real-World Study.

© Dr. Gersch Zentrum für funktionelle Langlebigkeitsmedizin, Steinmetzstraße 3, 67655 Kaiserslautern | Tel. 0631 / 34 35 97 38 | Impressum | Datenschutz | Verträge hier kündigen oder widerrufen | Kostenlose Video-Kompaktkurse mit Dr. Gersch | Youtube-Kanäle Autoimmunerkrankungen, Atemtherapie & Langlebigkeitsmedizin | TikTok | Podcast