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Dr. Gerschs Wissensarchiv | Hyperventilationssyndrom
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Wir werden immer wieder gefragt, ob es nicht ein einfaches Mittel gegen chronische Hyperventilation gibt.
Kann ich nicht einfach irgendeine Tablette schlucken? Der Nachteil der Atemtherapie, so wie wir sie anbieten, ist, ich muss sie machen. Mache ich die Atemtherapie nicht, ist der Effekt nicht besonders erreichbar.
Ein bisschen Atemtherapie hilft nicht. Sie muss strukturiert und regelmäßig durchgeführt werden, am besten mit Messungen der Kontrollpause, z.B. mit unserer App. Chronische Hyperventilation ist ein häufiges Problem, das schätzungsweise 25 Prozent der Menschen betrifft.
Viele davon suchen konventionelle Mediziner auf, die sich nicht immer mit Atemübungen auskennen.
In einem britischen Case Report versuchte man, eine alternative Lösung zu finden. Anstatt Atemübungen durchzuführen, bekamen zwölf Menschen mit angstbedingter chronischer Hyperventilation das Antidepressivum Amitriptylin.
Normalerweise wird dieses bis zu 100-150 mg pro Tag dosiert, doch die Studienteilnehmer zeigten bereits mit nur 10 mg täglich eine Reduktion der Hyperventilation und besseren Schlaf.
Das Zielkriterium der Studie war die Reduktion von nächtlicher Atemnot und Angstattacken, nicht die Verbesserung der Kontrollpause.
Amitriptylin zeigt kurzfristig Wirkung, indem es das Atemzentrum im Gehirn beeinflusst. Dies ist interessant, da Angst evolutionär bedingt unsere Atmung vertieft und das Nervensystem erregbarer macht.
Amitriptylin wird klassisch zur Behandlung von Depressionen eingesetzt und wirkt auf den Serotonin-Stoffwechsel. Es wird ebenfalls zur Schmerztherapie bei neuropathischen Schmerzen sowie zur prophylaktischen Behandlung von Migräne und Spannungskopfschmerzen verwendet.
Allerdings hat das Medikament zahlreiche Nebenwirkungen.
Viele Patienten möchten keine Medikamente dauerhaft einnehmen. Amitriptylin kann Interaktionen mit anderen Medikamenten haben, den Herzrhythmus beeinflussen und suizidales Verhalten erhöhen.
Auch Stoffwechselprobleme und mögliche Absetzerscheinungen machen eine langfristige Einnahme problematisch.
Für Menschen, die nicht bereit sind, ihre Gewohnheiten zu ändern, mag Amitriptylin eine kurzfristige Lösung bieten.
Auf lange Sicht jedoch, bietet eine nachhaltige Atemtherapie ohne diese steilen Nebenwirkungen bessere Ergebnisse. Regelmäßige Atemübungen können die Lebensqualität und Gesundheit deutlich verbessern.