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Dr. Gerschs Wissensarchiv | Hashimoto Meistern Community
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Perillaöl, auch als Shisoöl oder Perillasamenöl bekannt, wird von manchen Menschen als besonders wertvolles Pflanzenöl betrachtet. Es enthält viel Alpha-Linolensäure und gehört damit zu den Ölen mit einem hohen Omega-3-Anteil.
Gerade im Zusammenhang mit einer lektinfreien Ernährung stellt sich deshalb die Frage, ob sich dieses Öl gut einsetzen lässt.
Auf den ersten Blick spricht zunächst wenig gegen Perillaöl.
Und es enthält keinen nennenswerten Lektingehalt. Deshalb wird es von Anhängern einer lektinfreien Ernährung gelegentlich als geeignete Fettquelle angesehen. Hinzu kommt, dass das Fettsäuremuster auf dem Papier günstig wirkt.
Je nach Sorte liegt der Anteil an Alpha-Linolensäure bei etwa 50 bis 64 Prozent. Dazu kommen kleinere Anteile anderer ungesättigter Fettsäuren und nur wenig gesättigte Fettsäuren.
Genau hier beginnt aber die medizinische Einordnung. Denn Alpha-Linolensäure ist eine essenzielle Fettsäure. Das bedeutet: Der Körper kann sie nicht selbst herstellen und nimmt sie auf, wenn sie zugeführt wird.
Und der Körper entscheidet dann nicht einfach, diese Fette sofort zu verbrennen. Essenzielle Fettsäuren werden eher aufgenommen, gespeichert und in die Körperstrukturen eingebaut. Das gilt in besonderem Maß, wenn insgesamt mehr Energie aufgenommen wird als verbraucht wird.
Dann werden diese Fette sehr wahrscheinlich auch Teil des Fettgewebes.
Perillaöl ist zudem oxidationsfreudig. Das betrifft nicht nur die Lagerung in der Flasche, sondern auch die Verwendung im Körper.
Ungesättigte Fettsäuren sind empfindlicher gegenüber Oxidation als gesättigte Fette. Deshalb wird auf den Flaschen meist auf Lichtempfindlichkeit und kühle Lagerung hingewiesen.
Und deshalb eignet sich Perillaöl eher für die kalte Küche, etwa für Salate oder Dressings, aber nicht zum Erhitzen oder Braten.
Wenn Sie ein solches Öl erhitzen, entstehen schneller unerwünschte oxidative Veränderungen.
Das gilt besonders für stark ungesättigte Öle. Schon bei der Zubereitung und Lagerung sollte man deshalb vorsichtig sein. Und wenn Sie ein Öl kaufen, das vor allem aus empfindlichen Omega-3-Fettsäuren besteht, dann ist die Frage nicht nur, ob es lektinfrei ist, sondern vor allem, ob es für Ihren Stoffwechsel wirklich sinnvoll ist.
Ein weiterer Punkt ist die Umwandlung von Alpha-Linolensäure in die für den Menschen wichtigen langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Diese Umwandlungsrate ist meist gering.
Je nach individueller genetischer Ausstattung, Ernährungssituation und Stoffwechsel liegt sie oft nur im einstelligen Prozentbereich. Das bedeutet: Ein großer Teil der aufgenommenen Alpha-Linolensäure liegt am Ende in einer Form vor, die der Körper nicht direkt in dem gewünschten Maß nutzen kann.
Und genau deshalb ist Perillaöl aus medizinischer Sicht kein Öl, das man in größeren Mengen empfehlen sollte. Wenn Sie nur sehr kleine Mengen verwenden, ist das etwas anderes.
Aber als tägliche, großzügige Fettquelle ist es problematisch. Nicht, weil es Lektine enthält, sondern weil es sehr omega-3-reich ist und damit ein hohes Oxidationspotenzial mitbringt.
Manche Menschen vergleichen Perillaöl mit Leinöl oder Sesamöl. Diese Öle sind ebenfalls lektinfrei, aber ebenfalls reich an ungesättigten Fettsäuren. Auch hier gilt: kleine Menge kann vertretbar sein.
Die entscheidende Frage ist nicht allein die Lektinfreiheit. Entscheidend ist auch, wie viel oxidationsanfälliges Fett Sie aufnehmen und ob das zu Ihrem gesamten Ernährungsprofil passt.
Und wenn Sie zwischen Sonnenblumenöl und Perillaöl wählen müssten, wäre Perillaöl aus dieser Sicht die bessere Wahl.
Trotzdem bleibt die grundsätzliche Empfehlung bestehen, solche Öle eher sparsam einzusetzen. Ein gutes Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6 ist sinnvoll, aber eben auf niedrigem Niveau. Es geht nicht darum, möglichst viel Omega-3 zuzuführen.
Es geht darum, Ihrem Körper nur so viel zu geben, wie er wirklich braucht.
Viele Menschen nehmen über längere Zeit große Mengen Fisch oder Fischöl zu sich und wundern sich, dass es nicht unbegrenzt gut bleibt.
Auch hier spielt das Verhältnis der Fettsäuren und die Oxidation eine Rolle. Der Körper kann mit zu viel mehrfach ungesättigtem Fett überladen werden. Dann entsteht nicht automatisch ein Vorteil.
Im Gegenteil: Oxidationsstress und ein ungünstiges Fettsäuregleichgewicht können zunehmen.
Perillaöl ist also kein klassisches Verbot in der lektinfreien Ernährung. Aber es ist auch kein Öl, das man aus medizinischer Sicht großzügig einsetzen sollte.
Wenn Sie es verwenden, dann in kleinen Mengen und vorzugsweise kalt. Und wenn Sie nach einer alltagstauglichen Fettquelle suchen, sollte nicht nur der fehlende Lektingehalt zählen, sondern ebenso die Stabilität des Öls, der Gehalt an essenziellen Fettsäuren und die Frage, wie gut das Öl insgesamt zu Ihrer Ernährung passt.