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Dr. Gerschs Wissensarchiv | Hashimoto Meistern Community
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Sollte ein gesunder Darm nicht Lektine vertragen? Viele stellen sich die Frage, ob es grundsätzlich möglich ist, nach der Heilung einer Darmerkrankung wieder problemlos lektinhaltige Lebensmittel zu konsumieren.
Lektine sind natürliche Fraßgifte, die Pflanzen vor Insektenfraß schützen sollen, nicht primär vor Menschen. Dennoch reagieren viele Menschen empfindlich, wenn sie größere Mengen dieser Stoffe aufnehmen.
Unsere Vorfahren konsumierten mitunter lektinreiche Nahrungsmittel, jedoch oft nur aus der Not heraus. Beispielsweise wurde Getreide angebaut, weil es widerstandsfähig gegen Schädlinge war trotz des Lektinanteils.
Allerdings versuchten schon frühere Kulturen, Lektine durch traditionelle Zubereitungsmethoden zu entschärfen. Das größte Problem der modernen Ernährung liegt darin, dass weltweit neue Lebensmittel in die tägliche Kost eingebracht wurden, ohne dabei die korrekten Zubereitungsmethoden zu berücksichtigen oder das Wissen über Lektine zu beachten.
Besteht eine Entzündung auf der Darmebene, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Sie lektinempfindlich sind. Dennoch gibt es Ausnahmen: Vor allem sehr alte Menschen können gelegentlich beobachtet werden, die trotz eines langen Lebens und regelmäßigen Lektinverzehrs keine Beschwerden zeigen.
Meist verfügen sie über eine gesunde Darmflora und haben große Mengen belastender Nahrungsbestandteile bereits im Laufe ihres Lebens ausgesondert.
Fragen Sie sich einmal selbst, wie viele gesunde 80- bis 85-Jährige Sie kennen, die sich bewusst mit Ernährung und ihrer eigenen Gesundheit beschäftigen.
In vielen Kreisen wird man kaum auf solche Personen treffen. Daraus folgt, dass die Mehrheit der Menschen leider nie eine wirklich gute Toleranz gegenüber größeren Mengen von Lektinen entwickelt.
Würden Sie in einer belebten Einkaufsstraße Blutproben nehmen lassen, wäre bei einem Großteil der Menschen eine chronische Entzündung nachweisbar. Und viele der typischen Erkrankungen unserer Gesellschaft sind entzündungsgetrieben der Darm spielt dabei eine zentrale Rolle.
Trotzdem sollten Sie nicht pauschal davon ausgehen, jeder habe ein Lektinproblem. Aber es ist bemerkenswert, wie häufig diese Unverträglichkeit unterdiagnostiziert bleibt. Die Schleimhaut des Darms ist mit einer schützenden Schleimschicht ausgestattet.
Lektine können diese Barriere binden, was problematisch wird, wenn die Menge der aufgenommenen Lektine zu hoch ist oder der Körper Schwierigkeiten hat, ausreichend schützenden Schleim zu produzieren.
Mit einer wiederhergestellten Darmgesundheit können Sie möglicherweise kleinere Mengen bestimmter Lektine tolerieren. Das Ausmaß hängt jedoch auch von Ihrer genetischen Ausstattung ab: Nicht jeder verträgt jede Lektinart gleich gut.
Sie kennen dieses Phänomen vielleicht von anderen Lebensmitteln: Manche vertragen Chilis problemlos, während andere bereits bei geringerer Menge Beschwerden entwickeln. Zudem schätzen viele ihre Symptome falsch ein und bemerken beispielsweise laufende Nasen oder kurzfristige Unwohlsein nicht als Reaktion auf Lektine.
Besonders Menschen mit Autoimmunerkrankungen, wie Hashimoto, zeigen nahezu durchgängig eine Unverträglichkeit gegenüber Lektinen. In jahrelanger Erfahrung zeigt sich, dass gerade bei diesen Patientengruppen eine konsequent lektinarme Ernährung einen deutlichen Unterschied machen kann.
Daneben spielen Allergien, Kreuzallergien und andere Unverträglichkeiten eine Rolle beim Ausmaß der Verträglichkeit.
Die Herausforderung besteht nicht nur darin, das Lektinproblem zu erkennen, sondern auch begleitende Faktoren wie Allergien, Parasiten oder weitere Nahrungskomponenten zu identifizieren.
Erst durch die Kombination der einzelnen Befunde lässt sich der Darm ganzheitlich behandeln und eine individuell passende Ernährung finden.