Logo
Dr. Gerschs Wissensarchiv | Hashimoto Meistern Community

Hype vs. echter Nutzen was ist dran an der Wirkung von Keto-Diäten?

Transparenz-Hinweis (EU AI Act): Die Videoinhalte stammen zu 100% von Dr. Gersch oder seinem medizinischen Team. Das Titelbild und die Text-Zusammenfassungen wurden hingegen maschinell durch eine KI (Künstliche Intelligenz) generiert und sind nicht gesondert ärztlich überprüft.

Video-Transkript

Ketogene Ernährung: Hype oder echter Nutzen?

Die ketogene Ernährung genießt einen großen Hype. Aber wo liegt ihr echter Nutzen und wo beginnt bloßes Marketing? Die Grenze ist oft unscharf, doch mit einem wissenschaftlichen Blick lässt sich sie klarer ziehen.

Richtig angewendet, kann eine ketogene Ernährung in der Ernährungsmedizin ein Präzisionswerkzeug sein. Im Lebensstilbereich zeigt sie sich jedoch meist als überteuertes Versprechen ohne signifikanten Mehrwert.

Gerade beim schnellen Gewichtsverlust in den ersten zwei Wochen handelt es sich überwiegend um Wasserverlust durch fehlende Kohlenhydrate, denn Kohlenhydrate werden zusammen mit Wasser im Körper gespeichert.

Sobald normale Kohlenhydratmengen wieder aufgenommen werden, kehrt ein Großteil des verlorenen Gewichts zurück. Der eigentliche Fettabbau verläuft genauso langsam wie bei jedem anderen Kaloriendefizit.

Ein großer Markt hat sich um exogene Ketone gebildet. Sie sollen einen Zustand der Ketose ermöglichen, ohne Diät einhalten zu müssen. Die im Blut messbaren Ketonkörper stammen dann jedoch nicht aus dem eigenen Fettabbau, sondern aus zugeführten Substanzen.

Dieser Effekt kann verglichen werden mit Schweißdeo, das vortäuscht, man habe Sport getrieben. In medizinischer Praxis werden solche Produkte oftmals eingesetzt, um neugierigen Patienten den Unterschied eindrucksvoll zu demonstrieren: Der körpereigene Nutzen bleibt aus, der Geschmack lässt zu wünschen übrig.

Auch das Konzept von Dirty Keto, bei dem beliebig verarbeitetes Fleisch und salzhaltige Wurstwaren konsumiert werden, solange Kohlenhydrate auf null sind, ist aus gesundheitlicher Sicht ein Risiko.

Ballaststoffe fehlen, was das Herz-Kreislauf-System und die Verdauung belastet. Keto kann so sogar ein Gesundheitsrisiko werden.

Immer wieder kursiert zudem die Vermutung, mit Keto ließen sich Krebsleiden verbessern.

Tatsächlich profitieren nur wenige, meist neurologische Erkrankungen, nachweisbar von einer ketogenen Ernährung. Die meisten Krebspatienten sterben jedoch nicht direkt am Tumor, sondern an Komplikationen oder Auszehrung (Kachexie).

Hier ist es entscheidend, eine positive Kalorienbilanz zu sichern. Keto-Diäten sättigen stark und können dadurch das Risiko des Gewichts- und damit auch Proteinverlusts erhöhen. In ausgewählten Fällen rät man zu eiweiß- und fettreicher Kost, jedoch ohne echte Ketose anzustreben, weil zu viel Eiweiß die Ketonkörperbildung verhindert.

Bewiesen ist der Nutzen der ketogenen Diät bei therapierefraktärer Epilepsie, insbesondere bei Kindern. Hier kann die Anfallshäufigkeit drastisch reduziert werden. Die Anwendung bei Kampftauchern mit Krampfanfällen hat das öffentliche Interesse an Keto weiter verstärkt.

Doch hier handelt es sich um eng begrenzte Nischen-Anwendungen.

Ein echter, medizinisch fundierter Stellenwert zeigt sich auch bei Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes: Kohlenhydratreduktion hat positive Effekte, große Ketonkörpermengen sind jedoch nicht notwendig.

Das gleiche gilt für das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS), bei dem der Insulinspiegel relevant ist. Auch hier hilft Reduktion der Kohlenhydrate, ohne dass die Vorteile zwingend auf Ketose beruhen.

Im Biohacking will man oft eine bessere kognitive Stabilität erreichen. Menschen mit empfindlichen Blutzuckerschwankungen profitieren gelegentlich von MCT-Ölen am Abend, die Ketonkörper freisetzen.

Dadurch wird der Schlaf stabilisiert, ohne echtes Keto-Niveau zu erreichen. Für Extremsportler, die enorme Strecken wie Ultraläufe absolvieren, kann Keto ebenfalls hilfreich sein doch bereits ein Marathon ist medizinisch gesehen keine gesundheitsförderliche Aktivität.

Wissenschaftlich interessant sind bestimmte Effekte der Ketonkörper auf Entzündungswege, insbesondere das NLRP3-Inflammasom. Doch ähnliche Effekte lassen sich auch mit anderen Therapien erzielen.

Die Reduktion der Bildung freier Radikale ist möglich, aber keinesfalls exklusiv durch Ketose.

Metabolische Flexibilität also die Fähigkeit, zwischen Kohlenhydrat- und Fettverbrennung zu wechseln ist zentral für Gesundheit, aber braucht keine dauerhafte Ketose.

In vielen Fällen reicht eine moderate Reduktion der Kohlenhydrate. Fastentherapie erzeugt sogar meist höhere Ketonkörper-Spiegel als eine klassische Keto-Diät und ist deutlich besser erforscht.

Oft profitiert man zudem weniger von den Ketonkörpern selbst, sondern vom Weglassen potenziell problematischer Lebensmittel, insbesondere Getreide und Hülsenfrüchte, die viele Lektine enthalten.

Viele Erfolgsgeschichten mit Keto beruhen indirekt auf einer Lektinreduktion. „hnliches sieht man auch bei der carnivoren Ernährung, bei der fast alles außer Fleisch weggelassen wird entscheidend wirkt hier der Eliminationseffekt.

Ein geringer Ghrelinspiegel durch hohe Ketonkörper kann das Hungergefühl unterdrücken, was einen praktischen Vorteil bietet. Allerdings ist der Fokus, den viele unter Keto erleben, häufig Folge erhöhter Noradrenalinspiegel ähnlich wie bei Stress.

Dauerhaft ist das keine gesunde Strategie.

Mein Fazit: Der medizinische Nutzen einer ketogenen Ernährung ist klar umrissen und auf bestimmte Indikationen beschränkt. Die breite Anwendung halte ich nicht für empfehlenswert, zumal die Vorteile oftmals auf der Eliminierung bestimmter Lebensmittelgruppen beruhen und nicht zwingend auf dem Zustand der Ketose selbst.


Quellen: Ketogenic Diet and Brain Health Cerebrovascular Mechanisms Neuroprotection and Translational Implications.

© Dr. Gersch Zentrum für funktionelle Langlebigkeitsmedizin, Steinmetzstraße 3, 67655 Kaiserslautern | Tel. 0631 / 34 35 97 38 | Impressum | Datenschutz | Verträge hier kündigen oder widerrufen | Kostenlose Video-Kompaktkurse mit Dr. Gersch | Youtube-Kanäle Autoimmunerkrankungen, Atemtherapie & Langlebigkeitsmedizin | TikTok | Podcast