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Dr. Gerschs Wissensarchiv | Hashimoto Meistern Community
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Viele Patienten beschäftigen die Frage, ab welchem IgG-Antikörperspiegel man ein bestimmtes Lebensmittel, wie zum Beispiel Kuhmilch, konsequent aus seinem Ernährungsplan streichen sollte.
In der täglichen Praxis orientiere ich mich zunächst an einem standardisierten, lektinfreien Ernährungsplan, den wir immer individuell anpassen können. Sie können selbst mitteilen, was Sie nicht mögen oder wo bereits eine bekannte Allergie oder Unverträglichkeit besteht.
Andererseits berücksichtigen wir Ergebnisse von Bluttests: IgE-Werte helfen, echte Allergien herauszufiltern, während IgG-Werte auf Nahrungsmittelsensitivitäten hinweisen.
Bei klassischen IgE-vermittelten Allergien ist die Empfehlung eindeutig: Bereits Reaktionen auf kleinste Mengen rechtfertigen eine komplette Elimination, um das Risiko ernster Komplikationen zu vermeiden.
Im Bereich der IgG-Nahrungsmittelsensitivität ist die Lage jedoch komplexer und situationsabhängig. IgG-Antikörper sind sogenannte Gedächtnisantikörper. Sie spiegeln wider, womit unser Immunsystem in der Vergangenheit Kontakt hatte ähnlich wie bei Windpocken, wo Sie auch nach Jahren noch IgG-Antikörper nachweisen könnten, ohne aktuell krank zu sein.
Bedeutsam wird die Frage nach dem Verlauf: Liegt zum Beispiel der IgG-Wert gegen Kuhmilch heute bei 31, war aber vor wenigen Monaten noch bei 180, spricht vieles dafür, dass eine Eliminationsdiät bereits Wirkung zeigt.
In solchen Fällen würde ich dennoch dazu raten, konsequent zu bleiben, bis der Wert noch weiter gefallen ist. Erst dann würde eine schrittweise Wiedereinführung infrage kommen. Fehlt Ihnen ein Vorwert und ist lediglich ein erhöhter Einzelwert vorhanden, empfiehlt es sich, das Lebensmittel kurzfristig zu eliminieren.
Ziel ist stets, durch diese Ernährungsstrategie spürbar positive Effekte zu erzielen.
Deshalb sollte die Eliminationsphase konsequent begonnen werden, um möglichst rasch Verbesserung zu erzielen.
Denn wiederholte Versuche, etwas wegzulassen, ohne Resultate zu sehen, frustrieren und lassen sich langfristig schwer durchhalten. Es ist effektiver, gezielt einen optimalen Ernährungsplan zu gestalten und Lebensmittel mit erhöhter IgG-Belastung zunächst herauszunehmen.
Erst wenn sich das Befinden signifikant bessert und weitere Symptome ausbleiben, kann überlegt werden, ob schrittweise eine neue Testphase mit dem betreffenden Nahrungsmittel sinnvoll ist.
Spielt bei IgG-Werten immer auch die aktuelle wissenschaftliche Debatte hinein: In der Allgemeinbevölkerung finden sich häufig erhöhte IgG-Titer auf verschiedene Nahrungsmittel, was viele Forscher als normal betrachten.
Dahinter verbirgt sich allerdings häufig eine latente Entzündungsreaktion auf Magen-Darm-Ebene oder Unverträglichkeiten, die den Betroffenen teilweise nicht bewusst sind.
Ein einzelner IgG-Wert von 31 wäre für mich kein Normalbefund.
Gängige Labortests sehen Cut-off-Bereiche meist um 20. Werte deutlich darunter, beispielsweise 5,3, können Restbefunde einer zurückliegenden Phase vermehrter Durchlässigkeit der Darmschleimhaut (Leaky Gut) sein etwa nach einer Infektion und verlieren dann aus ärztlicher Sicht an Bedeutung, solange sie weiter absinken und keine Symptome bestehen.
IgG-Antikörper sind primär im Blut nachweisbar und normalerweise nicht im direkten Kontakt mit der Darmschleimhaut. Erst wenn diese stark entzündet oder durchlässig ist, haben die Antikörper die Möglichkeit, auf Nahrungsmittelproteine zu reagieren.
Das macht erhöhte Werte in einem solchen Zusammenhang besonders verdächtig.
Daher gilt: IgG-Werte oberhalb oder nahe des Cut-off sind für mich immer beobachtungs- und diskussionswürdig.
Besteht eine erhöhte Sensitivität gegenüber Kuhmilch, empfehle ich zunächst eine Elimination sämtlicher Kuhmilchprodukte. Fermentierte Milchprodukte werden in der Regel besser vertragen, sofern keine sonstigen Reaktionen auftreten.
Alternative Milchsorten wie Schafsmilch könnten ausprobiert werden und letztlich braucht es im Erwachsenenalter keine Milch, um ausgewogen zu leben.
Fragen, ob A2-Milch als Alternative infrage kommt, sind berechtigt.
Doch sollten Sie damit erst experimentieren, wenn sich Ihr Zustand deutlich gebessert hat und die IgG-Werte auf ein sehr niedriges Niveau (zum Beispiel um 11 oder 12) gefallen sind. Dann kann über eine vorsichtige Wiedereinführung nachgedacht werden.