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Ist Rohmilch gesünder?

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Ist Rohmilch gesünder? Eine ärztliche Einschätzung

Rohmilch steht in bestimmten alternativen Gesundheitsbereichen hoch im Kurs. Wie gesund ist Rohmilch tatsächlich im Vergleich zu pasteurisierter Milch? Und was sollten Sie allgemein beim Milchkauf beachten? Hier finden Sie eine fundierte, ärztliche Betrachtung zu Vorteilen und Nachteilen von Rohmilch und anderen Milchprodukten.

Rohmilch: Zwischen Tradition und Hype

Oft liest man von Menschen, die sich nach traditionellen Ernährungskonzepten richten und dabei explizit Produkte wie Rohmilch bevorzugen. Rohmilch wird als naturbelassen beworben doch ist sie tatsächlich die bessere Wahl? Zunächst stellt sich die Frage, womit die Kühe gefüttert wurden, deren Milch Sie konsumieren.

Kommt die Rohmilch von Kühen, die mit Mais oder Soja gefüttert wurden, ist sie meist nicht optimal. Deutlich sinnvoller ist Rohmilch von Kühen mit Heufütterung.

Rohmilch und gesetzliche Regelungen

In Deutschland dürfen Landwirte Rohmilch nur unter bestimmten Voraussetzungen verkaufen.

Zwar schmeckt eine hochwertige Heumilch oft sehr gut, doch sie enthält gewöhnlich auch hohe Mengen an Wachstumshormonen. Ein Grund dafür: Die Kühe stehen in einer fast dauerhaften Schwangerschaft, wodurch der Östrogengehalt erheblich steigt.

Rohmilch enthält genau jene Inhaltsstoffe, die ein Kalb zügig wachsen lassen sollen. Für Bodybuilder in den 1970er-Jahren mag das attraktiv gewesen sein; für die meisten Menschen ist ein übermäßiger Rohmilchkonsum jedoch nicht nötig.

Sicherheitsrisiken und Pasteurisierung

Die Pasteurisierung wurde eingeführt, um Infektionsrisiken aus Milch zu minimieren. Rohmilch kann gefährliche Krankheitserreger wie Clostridien oder Tuberkulose enthalten, besonders wenn die Tierhaltung mangelhaft ist.

Diese Keime können schwere Darmentzündungen verursachen. Käse aus Rohmilch hingegen gilt häufig als Qualitätsprodukt, da sein Herstellungsprozess eine gewisse Hygiene voraussetzt.

Rohmilchkäse aus guter Tierhaltung kann daher einer normalen Variante überlegen sein, sollte aber von Schwangeren und immungeschwächten Personen vermieden werden.

Was verliert Milch bei Pasteurisierung und Homogenisierung?

Pasteurisierung zerstört einige Vitamine (vor allem B-Vitamine), doch Milch dient in der Ernährung selten als Hauptquelle für diese Nährstoffe.

Für einen festgestellten Vitaminmangel ist sie ohnehin ungeeignet. Pasteurisierung erhöht zudem die Haltbarkeit. Bei der Homogenisierung wird Milch mechanisch bearbeitet, wodurch Fetttröpfchen zerkleinert werden.

Das kann dazu führen, dass Fette leichter ranzig werden. Wenn Sie die Wahl haben, ist nicht-homogenisierte Milch aus gesundheitlicher Sicht daher vorzuziehen, auch wenn sie nicht jedem schmeckt oder optisch ansprechend ist.

Auf die Herkunft kommt es an

Neben Fütterung und Verarbeitung ist auch die Rasse der Kuh relevant: Jersey-, Braun- oder Fleckvieh-Kühe liefern oft nahrhaftere Milch als Holstein-Kühe.

Letztere sind bei Rohmilchprodukten eher weniger empfehlenswert.

Fermentierte Milchprodukte als beste Wahl

Pasteruisierung und Homogenisierung sind nicht alles. In Studien schneiden fermentierte Milchprodukte wie Joghurt, Skyr oder Käse in ihren gesundheitlichen Effekten besser ab als nicht fermentierte Produkte.

Fermentierter Rohmilchkäse vereint häufig die Vorteile: Wertvolle Stoffe bleiben erhalten, ohne die Infektionsrisiken unbearbeiteter Rohmilch. Wer also hochwertige Milchprodukte sucht, fährt mit einem gereiften, aus Rohmilch hergestellten Käse häufig am besten.

Ob Sie etwas Milch im Kaffee bevorzugen oder gelegentlich Joghurt essen, spielt insgesamt eine geringere gesundheitliche Rolle als die Qualität und Verarbeitung der Produkte. Große Mengen nicht fermentierter Milch sind selten vorteilhaft und fermentierte Produkte bringen meist mehr gesundheitlichen Nutzen.


Quellen: Can Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis Survive During Pecorino Cheesemaking Process? An Experimental Evaluation Through a Microbiological Challenge Test.

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